"In der öffentlichen Meinung ist alles Falsche und
Wahre,
aber das Wahre in ihr zu finden, ist der erste Schritt zum Erfolg."
Bitte weitersagen!
Horst Köhler - Medienmord
am Bundespräsidenten
Die Mittelschicht - die mittleren Einkommen -
im tiefen gesamtgesellschaftlichen Koma
Ich habe mir hier nur mal
diese eine Rede von Horst Köhler vorgenommen, um
vorzustellen und deutlich zu machen warum Köhler wohl
einigen Leuten ein Dorn im Auge gewesen sein mag.
Seehofer spricht von einem tiefen Umbruch auf der ganzen
Welt, andere sprechen von transnationaler
Vergesellschaftung und wieder andere nennen es
Transformation.
Gemeint ist immer dasselbe: Abschaffung souveräner
Nationalstaaten und Abschaffung der Demokratie und dafür
Globalisierung, Privatisierung und Kommerzialisierung
der ganzen Welt unter Führung des Kapitals des Geld- und
Hochadels. Liz Mohn vom Bertelsmann-Verlag ist gerade
mit dem großen Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste
um die Abschaffung des souveränen Nationalstaates
Deutschland, die Abschaffung der sozialen
Marktwirtschaft und die Vernichtung der Mittelschicht -
der mittleren Einkommen - vom Arbeiterverräter Jürgen
Rüttgers ausgezeichnet worden.
Es
ist mir ein Rätsel
wie es angehen kann, daß
ein tiefgreifender Umbruch in Deutschland stattfindet,
ohne daß der Bürger davon Notiz nimmt oder sich gar an
der Debatte beteiligt. Wie desinformiert die
Bundesbürger sind, zeigt sich bei jeder Meinungs-umfrage.
Die Debatte um den Umbruch, die Umstrukturierung, die
transnationale Vergesellschaftung, die Transformation
gehört in die Mitte der Gesellschaft, gehört in die
staatstragende Mittelschicht - zu den mittleren
Einkommen.
Ihnen wird
seit 40 Jahren permanent der Boden unter den Füßen
weggezogen!
Sie merken es nicht und sie wissen alles besser!
Die
Herausforderungen der Globalisierung und die
Rolle des IWF
Vortrag von Dr. Horst Köhler
Geschäftsführender Direktor des
Internationalen Währungsfonds
anlässlich der Jahresversammlung der
Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft
an der Humboldt Universität zu Berlin Berlin, 15. Mai 2003
1. Es ist mir eine große Freude, heute zu Ihnen sprechen
zu können und ich möchte der
Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft
an der Humboldt Universität zu Berlin und
Dr. Manfred Gentz, für die Einladung
herzlich danken. Meinen Dank auch an Frau
Prof. Dr. Plinke für die ausgezeichnete
Organisation. Erlauben Sie mir, Sie zu Ihrer
Initiative, Theorie und Praxis in einem
Universitätsrahmen zusammenzuführen, zu
beglückwünschen.
Theorie und Praxis zusammenführen!
Globalisierung in Theorie und Praxis: Ich
glaube, hier weicht die Praxis erheblich von
Köhler´s Theorie ab.
Was ist Globalisierung?
2. Eine Google-Suche zum
Stichwort Globalisierung ergibt mehr als 1,6
Millionen Treffer — Beleg, daß es sowohl an
Interesse wie an Definitionen nicht mangelt.
Aus meiner Perspektive als Ökonom bedeutet
Globalisierung einen Prozeß zunehmender
internationaler Arbeitsteilung und damit
Verflechtung nationaler Volkswirtschaften
durch Handel mit Waren und Dienstleistungen,
grenzüberschreitende
Unternehmensinvestitionen und Finanzströme.
Diese Integration wird begünstigt durch
technologischen Fortschritt, vor allem im
Transport- und Kommunikationswesen.
Globalisierung hat aber mehr als nur eine
wirtschaftliche Komponente: Globalisierung
bedeutet auch den freien Austausch von
Gedanken und Ideen und die größere Mobilität
der Menschen. Dies wird uns nicht einfach
aufgezwungen, sondern ist das Ergebnis von
Veränderungskräften, die tief in der
menschlichen Natur verwurzelt sind: Der
Drang nach Freiheit und einem besseren
Leben, nach neuen Entdeckungen und nach
einer Erweiterung des Horizonts.
Verflechtung nationaler Volkswirtschaften
heißt, daß es nationalstaatliche
Volkswirtschaften gibt und nicht daß aus 27
Nationalstaaten ein Staat wird mit einer
Währung und einer Wirtschaft.
VOLKSWIRTSCHAFTEN treiben Handel mit Waren
und Dienstleistungen (nicht Firmen).
Politikinvestitionen sind Entwicklungshilfen
für staatliche Volkswirtschaften
-Unternehmensinvestitionen sind
Entwicklungs-bremsen für staatliche
Volkswirtschaften.
Konzernen geht es um globale
Marktbeherrschung. Globale Herrschaft kann
nicht Sinn und Zweck einer Volkswirtschaft
sein.
Ein kurzer historischer Überblick
3. Globalisierung ist kein
neues Phänomen. Bereits in der Zeit vor
Google brachen die Menschen zu immer neuen
Ufern auf. Die venezianische Republik
leistete bereits im 11. Jahrhundert durch
Handel einen Beitrag zur Globalisierung. Die
Zeit der portugiesischen, spanischen und
niederländischen Entdeckungsreisen verlieh
der weltweiten Integration weiteren Auftrieb
durch rasche Fortschritte in der
Seefahrtstechnik. Die Erfindung der
Elektrizität, die Verbreitung des
Eisenbahnnetzes, und der Goldstandard
bewirkten in der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts bis 1914 einen enormen Zuwachs
in der Handels- und Finanzintegration. Aber
es ist wichtig, sich daran zu erinnern, daß
diese große Welle weltwirtschaftlicher
Integration in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts unterbrochen wurde durch eine
Phase aggressiven Nationalismus und
Protektionismus nach dem 1. Weltkrieg. Am
Ende dieser Phase standen die große
Depression der dreißiger Jahre und die
Katastrophe eines weiteren Weltkriegs.
Die Entdeckung Amerikas passierte im Zuge
der Globalisierung. Die Ausrottung von 59
Millionen Indianern ging nicht von einer
freiheitlichen, friedlichen, demokratischen
Volkswirtschaft aus.
Chancen und Risiken der
Globalisierung
4. Eine nüchterne
Betrachtung der letzten 50 Jahre belegt
eindrucksvoll die ökonomischen Chancen der
Globalisierung. In den Industrieländern
hat sich das reale Pro-Kopf-BSP Einkommen in
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr
als verdreifacht. In einigen
Entwicklungsländern war die Steigerung noch
dramatischer. In Südkorea zum Beispiel stieg
das Pro-Kopf-Einkommen um mehr als das
Zehnfache — gemessen in Preisen von heute.
Und mit Wirtschaftswachstum kam z. B. auch
medizinischer Fortschritt: die
Lebenserwartung stieg um mehr als zehn Jahre
in Industrieländern, und im Durchschnitt um
mehr als 20 Jahre in Entwicklungsländern.
Einige Entwicklungsländer, die den Weg der
weltwirtschaftlichen Integration
eingeschlagen haben, wie China, Indien,
Malaysia, Brasilien, Mexiko, Südkorea, und
Thailand, exportieren nicht mehr nur
Rohstoffe, sondern auch Fertigprodukte und
Dienstleistungen. Für Indien,
beispielsweise, macht
Informationstechnologie heute fast 40
Prozent der Exporterlöse aus.
Die Länder, die den Weg der
weltwirtschaftlichen Integration
eingeschlagen haben, sind nicht auf dem Weg
zu freiheitlichen, friedlichen,
demokrat-ischen Volkswirtschaften. Sie sind
auf die Einfuhr von Fertigprodukten aus
rohstoffarmen Industrie-ländern wie
Deutschland nicht mehr angewiesen.
Für Millionen von deutschen Fabrikarbeitern
gibt es langsfristig keine Arbeitsplätze
mehr.
5. Aber Globalisierung
hat auch seine Schattenseiten. Im
wirtschaftlichen Bereich sehe ich vor allem
drei große Herausforderungen:
Erstens, profitiert haben von der
Integration der Volkswirtschaften
bislang vor allem die Industrieländer
und in den letzten 10 bis 20 Jahren auch
eine Gruppe von Entwicklungsländern, in
denen immerhin über 3 Milliarden
Menschen leben. Wahr ist aber auch: fast
genauso viele Menschen müssen heute,
nach einer Abgrenzung der Weltbank, mit
weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen.
Die Bekämpfung dieser Armut ist die
größte Herausforderung für Stabilität
und Frieden im 21. Jahrhundert.
Zweitens, die Globalisierung der
Finanzmärkte ging zum Teil mit
verheerenden Finanzkrisen in
Schwellenländern einher. Die
Ursachen dieser Krisen sind komplex.
Gemeinsames Merkmal war aber häufig
Überverschuldung und massive
Richtungsumschwünge in Kapitalflüssen
die zu schweren Rezessionen führten, mit
starkem Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Drittens, Globalisierung setzt
die Umwelt unter Druck. Nationale
Umweltschutzpolitik allein reicht nicht
mehr aus, diesem Druck entgegenzutreten.
In der Sprache eines Ökonomen:
Lebenswerte Umwelt ist zu einem
globalen öffentlichen Gut geworden,
für das man etwas tun muß.
Das sind nur Herausforderungen im
wirtschaft-lichen Bereich. Es ist nicht
näher definiert, ob im volkswirtschaftlichen
Bereich oder im privatwirt-schaftlichen
Bereich.
Volkswirtschaftlich, demokratisch, in
sozialen Marktwirtschaften mit sozialen
Absicherungen,
gelenkt von fähigen Politiker, die von
mündigen Staatsbürgern in demokratischen,
freien, geheimen Wahlen gewählt sind.
Privatwirtschaftlich, undemokratisch, durch
Verschuldungspolitik des Geld- und
Hochadels,
ohne soziale Marktwirtschaften, ohne soziale
Absicherung, ohne fähige, demokratisch
gewählte Politiker, ohne mündige
Staatsbürger.
Profitiert haben, wie heute deutlich ist,
keineswegs die Industrieländer sondern
internationale Konzerne und Finanzmärkte.
Monopolisten, Oligarchen, Geld- und Hochadel
liegt rein gar nichts an einer gerechten
Vermögensverteilung innerhalb
nationalstaatlicher, demokratischer
Volkswirtschaften.
Wer bestimmt über das globale öffentliche
Gut:
Lebenswerte Umwelt - Wohlstand für Alle?
Billionäre, Milliardäre, Millionäre, Geld-
und Hochadel???
6. Für sich genommen ist
Globalisierung also weder gut noch schlecht.
Worauf es ankommt, ist was wir daraus machen
— wie es uns gelingt, die Chancen zu nutzen
und gleichzeitig die Risiken zu begrenzen.
Ich denke, wir brauchen zur Bekämpfung der
Armut in der Welt nicht weniger sondern eher
mehr Globalisierung — vor allem aber eine
bessere Globalisierung als bisher. D.h.
Globalisierung bedarf der politischen
Gestaltung. Die kritische Diskussion über
Globalisierung ist zu begrüßen und sollte
uns helfen, ein tragfähiges Konzept für eine
bessere Globalisierung zu finden.
WIR - we, the people - WER IST DAS???
KÖHLER SAGT EINDEUTIG:
Globalisierung bedarf der POLITISCHEN
Gestaltung! Er meint demokratische und
nationalstaatliche Gestaltung von fähigen
Politikern, die von mündigen Staatsbürgern
in demokratischen Wahlen in ihre Ämter
gewählt wurden. Das wäre die bessere
Globalisierung und nicht eine Weltherrschaft
des Geld- und Hochadels.
7. Auf der letzten
Jahrestagung des IWF habe ich fünf Wegweiser
formuliert, die den IWF bei seinem Beitrag
für eine bessere Globalisierung leiten:
Erstens: die Fragen der
internationalen Interdependenz
müssen in den nationalen Politikagenden
einen größeren Stellenwert erhalten. Die
wachsende gegenseitige Abhängigkeit
verlangt, daß jedes Land die Folgen
seines Handelns für andere besser
berücksichtigen muß. Das erfordert eine
engere internationale Zusammenarbeit und
Institutionen, die sich um globale
Probleme direkt kümmern;
Interdependenz auf der
nationalstaatlichen Politikagenda! -
Nicht wirtschaftliche Interdependenzen
auf der Wirtschaftsagenda der
Globalisten und Privatisierer, des Geld-
und Hochadels.
Zweitens, Globalisierung verlangt
dringend internationale Solidarität.
Solidarität ist aber nicht nur eine
ethisch-moralische Pflicht. Ich sehe in
der aktiven Bekämpfung der Armut in der
Welt eine Investition in Stabilität und
Frieden für die gesamte Menschheit.
Solidarität des Geld- und Hochadels mit
der Mittelschicht - geschweige mit der
Arbeiterklasse oder dem Sozialschrott -
gibt es weder international noch
national. Der Geld- und Hochadel
gefährdet mit seiner Gier die Stabilität
der Welt, den Frieden und das Klima der
gesamten Menschheit. Geld- und Hochadel
handeln weder ethisch noch moralisch.
Aber sie schreiben es sich auf ihre
Fahnen! (Deutsche Vermögensakademie: Wie
macht man "gutes Geld"? - Indem man
seinen Egoismus versteckt!
Dr. Heiner Geissler als Schirmherr des
Symposiums und als "Maulwurf" bei "Attack",
den "Globalisierungsgegnern".
Daniel Goeudevert´s Buch - "Das
Seerosenprinzip, wie unsere Gier uns
ruiniert." (Die öffentlich dargestellte
Gier, man muß sie verstecken und den
"Gutmenschen" heraushängen! So läßt sich
mehr Geld verdienen - mehr Profit
machen!
Das
Seerosenprinzip -
Wie unsere Gier uns ruiniert!
Moral und Ethik werden also eingeblendet
-
Gier und Egoismus werden ausgeblendet.
Drittens, internationale
Zusammenarbeit und Solidarität dürfen
aber nationale Eigenverantwortung
nicht schwächen oder gar ersetzen.
Letztlich kommt es immer auch — und vor
allem — auf gute Regierungsführung,
gesunde Institutionen und
Rechtssicherheit an.
Nationalstaatliche Eigenverantwortung
der Politik darf durch internationale
Zusammen-arbeit und Solidarität der
privaten Wirtschaft
weder geschwächt oder gar ersetzt
werden!
Es kommt auf gute Regierungsführung von
demokratisch gewählten Politikern an,
gesunde staatliche Institutstionen und
Rechtssicherheit durch Judikative,
Exekutive und Legislative eines
Volkssouveräns im Sinne des
Grundgesetzes!
Viertens, die Marktwirtschaft hat
sich historisch als überlegener
ökonomischer Koordinierungsmechanismus
erwiesen. Aber der Markt allein richtet
nicht alles zum Guten. Wir brauchen
international anerkannte Regeln
für die Beteiligung an der
Globalisierung.
Soziale Marktwirtschaft demokratischer,
autarker Volkswirtschaften mit eigenen
sozialen Absicherungen und stabilen
Währungen wäre der überlegene
ökonomische Koordinierungsmechanismus -
Demokratische Politik bestimmt die
Regeln für die Beteiligung an der
Globalisierung und nicht der
internationale Geld- und Hochadel!
Und fünftens sollten wir die
Verschiedenartigkeit der Erfahrungen
und Kulturen als Reichtum dieses
Planeten betrachten. Die Arbeit an einem
Ordnungskonzept für die globale Ökonomie
sollte deshalb kein Versuch sein, alle
Länder in ein uniformes,
one-size-fits-all Wirtschafts- oder
Kulturmodell zu zwängen.
Dies ist eine deutliche und klare Absage
an die Umstrukturierung der Welt in
Sinne des Geld- und Hochadels. Das ist
eine Absage an die Globalisierer,
Privatisierer und Kommerzialisierer.
Dies ist eine Absage an Bertelsmann und
Liz Mohn, das ist eine Absage an die
Lügen-Mainstream-Medien von Burda,
Springer, etc. Dies ist eine Absage an
die "Academy und das Institut for
International Cultural Deplomacy" in
Berlin. Dies ist eine Absage an Dr.
Benjamin Barber und seine Rockefeller
und Hewlett finanzierte
CivWorld-Organisation samt "Demos" und
allem was daran hängt. Das ist eine
klare Absage an die "Interdependence
Day"-Ver-anstaltung in Berlin vom 10. -
12. September in Berlin. Dies ist eine
klare und deutliche Absage an die
Merkel-Regierung, an die FDP, CDU und
CSU Politik und auch an die den Parteien
nahe stehenden Stiftungen, wie z.B. die
Konrad-Adenauer-Stiftung. Dies ist eine klare Absage
an den Papst und alle, die der Meinung
sind wir bräuchten nur eine
Weltregierung, eine Weltreligion, eine
Weltwährung, eine Weltkultur. Eine klare
Absage an Nicole Essiger-Munk und den "Hamburger
Appell" mit 241 Wirtschafts-professoren.
Dies ist eine klare Absage an Dr. Rupert
Graf Strachwitz, der Gesellschaft und
Kommunikation nur noch global sieht und
den deutschen Nationalstaat schon ad
acta gelegt hat.
Dies ist eine ganz klare Absage an
diejenigen, die meinen die Wirtschaft
könne alles besser als die Politik. Dies
ist eine klare Absage an diejenigen, die
an der Abschaffung souveräner
Nationalstaaten arbeiten. Dies ist eine
klare und deutliche Absage an Politiker,
die sich von der Wirtschaft die Gesetze
für unser Volkssouverän schreiben
lassen.
***
Die Internationale Finanzarchitektur
und die Rolle des IWF
8. Die Lehre aus den
Finanzkrisen der vergangenen Jahre ist
eindeutig, daß die Krisenprävention im
Zentrum des Mandats des IWF stehen muß.
Der Hauptansatzpunkt hierfür ist die
bilaterale und multilaterale
Surveillance-Aufgabe des IWF, d.h. die
regelmäßige Prüfung und Beurteilung der
Wirtschaftsentwicklung und der
Wirtschaftspolitiken auf nationaler und
internationaler Ebene. Wir sind dabei,
dieses Instrument zu schärfen, in dem wir
uns mehr denn je auf die Quellen von
Krisenanfälligkeit und auf die Stärkung von
Krisenresistenz konzentrieren:
Köhler spricht von bilateral und
multilateral - nicht von unilateral! Seit er
beim IWF weg ist scheint Krisenprävention
nicht mehr im Zentrum des Mandats gestanden
zu haben.
Wir raten unseren Mitgliedern
verstärkt Schock-Absorber in ihre
Wirtschaftspolitik einzubauen. Die
Ansatzpunkte hierfür sind z.B. eine
Fiskalpolitik, die auch Spielraum für
schlechte Zeiten lässt; effiziente und
diversifizierte Finanzsektoren; und
nicht zuletzt auch effektivere soziale
Sicherungsnetze. Die Erfahrung zeigt
auch, daß flexible Wechselkurse sich
besonders gut als ,,Puffer" eignen. Sie
begünstigen die graduelle Anpassung an
sich verändernde ökonomischen
Bedingungen.
Wechselkurse bedingen unterschiedliche,
nationalstaatliche Währungen und keine
Weltwährung! - Auch keinen Euro!
Nach der Asienkrise konzentrieren
wir uns vor allem auch auf die
Finanzsektoren unserer Mitgliedsländern.
Zusammen mit der Weltbank erstellen
wir im Rahmen unseres Financial
Sector Assessment Programs
Stärken/Schwächenprofile. So haben wir
inzwischen etwa 50 umfassende
Länderanalysen abgeschlossen; für
Deutschland ist diese Arbeit gerade in
Gange.
Vor allem durch die Entwicklung
der Kapitalmärkte sieht die
Weltwirtschaft heute dramatisch anders
aus als vor etwa 20 Jahren. Private
Kapitalströme haben öffentliche
Finanzmittel nach Volumen und
Differenzierung weit überholt. Deshalb
war es einer meiner ersten
Entscheidungen als Managing Director, im
IWF eine besondere Abteilung zur
besseren Analyse und Beurteilung der
internationalen Kapitalmärkte
einzurichten. Dazu gehört auch ein
regelmäßiger Dialog mit dem privaten
Sektor. Dr. Gentz ist ein Mitglied
unserer International Capital Markets
Consultative Group. Und in dem neuen
Global Financial Stability Report
analysieren wir jetzt halbjährlich die
Risiken im internationalen Finanzsystem.
Dort haben wir z.B. die aktuellen
Schwächen in den Unternehmensbilanzen
als Risiko für den wirtschaftlichen
Aufschwung identifiziert. Auch haben wir
schon früh zu mehr Transparenz bei
Finanzderivaten geraten, damit
Marktteilnehmer die damit verbundene
Risiken besser einschätzen können.
Damit hat Köhler sich beim Geld- und
Hochadel sicherlich keine Freunde
gemacht.
Freier Kapitalverkehr öffnet
Entwicklungs- und SchwellenländernZugang zu Technologie, Investition,
und auch Know-how für Finanzierung —
wichtige Voraussetzungen für
Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze.
Deshalb bleibt es für mich ein richtiges
und wichtiges Ziel, die
Kapitalverkehrsliberalisierung weiter
voran zu bringen. Doch spätestens seit
der Asienkrise wissen wir auch, daß die
Öffnung eines Landes für freien
Kapitalverkehr zeitlich und inhaltlich
sorgfältig mit dem Aufbau gesunder
Institutionen — einschließlich der
notwendigen regulatorischen und
aufsichtsrechtlichen Fähigkeiten eines
Landes — abgestimmt sein muss.
Köhler spricht von der Öffnung eines
Landes - eines autarken Nationalstaates
mit einer eigenen Währung und er spricht
von gesunden politischen Institutionen
und den regulatorischen und
aufsichtsrechtlichen Fähigkeiten eines
souveränen Nationalstaates.
9. Die Krisenprävention
wird vor allem auch durch Transparenz von
ökonomischen Daten und Politik gestärkt.
Hier hat es seit den Finanzkrisen Ende der
90er Jahre geradezu eine Revolution gegeben.
Dies gilt nicht zuletzt für
Datentransparenz. Dem Special Data
Dissemination Standard des IWF haben
sich inzwischen 53 Mitgliedsländer
angeschlossen, darunter auch die meisten
großen Schwellenländern wie Brasilien,
Indien, und Mexiko. Dieser Standard legt
einheitliche Normen fest für die
Veröffentlichung von wichtigen
volkswirtschaftlichen Daten. Private
Markteilnehmer haben uns bestätigt, daß die
IWF-Norm, beispielsweise für die
Veröffentlichung von Information über
Devisenreserven, zunehmend für die Bewertung
von Länderrisiken verwendet wird. Generell
gilt im übrigen auch, daß mehr Transparenz
eine Speerspitze gegen Korruption ist.
Köhler spricht immer von einem IWF und einer
Weltbank, die nicht vom Geld- und Hochadel
sondern von der Politik bestimmt sind. Bei
ihm ist der Bock noch nicht zum Gärtner
gemacht.
10. Transparenz ist aber
mit Recht auch eine Forderung an den IWF
selbst. Er hat sich dieser Forderung
auch gestellt. Inzwischen gilt das Prinzip,
daß fast alle Länder- und politikrelevanten
Dokumente veröffentlicht werden, es sei denn
ein Mitgliedsland widerspricht dem
ausdrücklich oder es enthält marktsensitive
Daten. Sogar die Vorausschau auf unser
sechsmonatiges Arbeitsprogramm wird jetzt
auf der IWF Webseite veröffentlicht. Darüber
hinaus wurde ein unabhängiges Büro für die
Evaluierung der Arbeit des IWF eingerichtet.
Dieses Büro hat gerade seinen zweiten
Bericht vorgelegt zur Rolle des IWF in den
Finanzkrisen in Indonesien, Südkorea, und
Brasilien in den späten 90er Jahren. Ich
freue mich auf diese Diskussion, weil sie
vermutlich u.a. zeigen wird, daß der IWF
bereits viele Lehren aus vergangenen
Finanzkrisen gezogen hat.
IWF-Berichte in deutscher
Sprache von einem politisch kontrollierten
IWF zur europäischen Finanz- und
Wirtschaftkrise wird es wohl kaum geben.
11. Wir wissen aber auch,
daß noch viel zu tun ist. Dies gilt vor
allem für die Arbeit an anerkannten
Spielregeln für die globale Wirtschaft. Im
Rahmen unserer Surveillance-Aufgabe werben
wir bei unseren Mitgliedsländern um die
Einführung von Standards und Codes auf die
sich die internationale Gemeinschaft
geeinigt hat. Sie reichen von vergleichbaren
Statistiken wie dem Special Data
Dissemination Standard des IWF,
Transparenzregeln für Haushalts- und
Geldpolitik, Eigenkapitalvorschriften für
Banken, Aufsichtsnormen für das Wertpapier-
und Versicherungsgeschäft, bis zu einer
Methodologie zur Bekämpfung von Geldwäsche
und der Finanzierung von Terrorismus. Die
breite Implementierung dieser Initiativen
wird Zeit brauchen. Die jeweiligen Standards
und Codes müssen auch in angemessenen
Zeitabständen immer wieder auf ihre Relevanz
überprüft werden. Ich habe aber keine
Zweifel, daß diese Initiativen zusammen mit
der systematischen Überprüfung der
Finanzsektoren unserer Mitgliedsländern
bereits wesentlich zu einer Stärkung des
internationalen Finanzsystems beigetragen
haben.
Surveillance- Aufgabe ist
politische Aufsicht und Kontrolle. Der
Mangel daran - gegen Köhler - ist heute mit
ursächlich für die instabile Lage auf den
internationalen Finanzmärkten. Seitdem
Köhler da weg ist, wurden den Spekulanten
des Geld- und Hochadels Tor und Tür geöffnet
für ihre virtuellen Geldschiebereien.
Sämtliche Mitglieder der Vereinten Nationen
sind den Verbrechern des
- wie ich es sage - Autonomen
Internationalen Politischen Systems of
Leadership (AIPSOL) aus-geliefert. Sie
wissen es nur nicht oder sie wollen es nicht
wahrhaben.
12. Auch mit den besten
Anstrengungen zur Krisenprävention wird es
aber nicht möglich sein, neue Krisen für die
Zukunft grundsätzlich auszuschließen.
Überschiessen und Korrektur werden immer
Teil einer offenen und dynamischen
Marktwirtschaft sein. Aber Ziel muss es
sein, weniger Krisen und weniger
schwerwiegende Krisen zu haben, und auch
Krisenansteckung zu vermeiden. Allerdings
ist auch im Krisenfall Eigenverantwortung
unverzichtbar, schon um moral hazard
zu minimieren. Der IWF ist kein Lender of
Last Resort, im Sinne unbegrenzt
verfügbarer Liquidität, um Ländern in
Schwierigkeiten aus der Patsche zu helfen.
Deshalb haben wir jetzt die Voraussetzungen
und die Grenzen für den Zugang zu
IWF-Krediten klarer definiert. Wir haben
auch eine lange Diskussion hinter uns, wie
einem Land im Extremfall der
Zahlungsunfähigkeit am Besten geholfen
werden kann. Der Vorschlag des IWF, für
diese seltenen Fälle einen dem privaten
Insolvenzrecht-ähnlichen Mechanismus
einzuführen, hat nicht die benötigte hohe
Stimmrechtsunterstützung gefunden, die für
eine Änderung der IWF Statuten nötig gewesen
wäre. Einigkeit besteht aber, die Einführung
von sogenannten Collective Action Clauses
(CAC) in Staatsanleihen voranzubringen, so
daß einzelne Gläubiger eine unumgängliche
Umstrukturierung von Schulden nicht
blockieren können. Es ist sehr zu begrüßen,
daß Mexiko, Brasilien, und zuletzt Südafrika
solche Klauseln in ihre jüngsten Anleihen
eingebaut haben. Der IWF unterstützt auch
die Formulierung eines freiwilligen
Verhaltenskodex, der Spielregeln für
Schuldner und Gläubiger bei Umschuldungen
festlegt. Darüber hinaus arbeiten wir weiter
an noch offenen Fragen, z.B. hinsichtlich
der Aggregation von Schuldenforderungen aus
verschiedenen Anleihen. Ich habe keine
Zweifel, dass diese Schritte einen Rahmen
geschaffen haben, der in der Zukunft das
Krisenmanagement wesentlich verbessert.
Souveräne Nationalstaaten
mit qualifizierten Politikern, die im
Krisenfall Eigenverantwortung übernehmen
können, gibt es gar nicht: siehe Deutschland!
Hier sind "moral hazards" Tür und Tor
geöffnet und nicht der IWF ist "lender of
last resort" sondern die steuerzahlende
Mittelschicht.
Die ist nur zu blöd, überhaupt irgendwas zu
merken. Sie hat in den vergangenen 40 Jahren
nicht gemerkt, wie sie systematisch
demontiert wird. Und die Demontage geht
munter immer weiter.
***
13. Ich halte es für
richtig und wichtig, daß der IWF nicht nur
für die reichen Länder sondern auch für die
armen Länder da ist. Wir sind eine
globale Institution mit 184
Mitgliedsländern, und in (zu)vielen dieser
Länder ist Armut die größte Herausforderung.
Globalisierung verlangt einen Politik-Rahmen
für eine Welt. Und mit dem Ergebnis
der UN-Konferenz zur
Entwicklungsfinanzierung im März 2002 in
Monterrey gibt es jetzt ein bemerkenswertes
Maß an internationaler Übereinstimmung über
die richtige Konzeption zur Überwindung der
Armut. Dieser Ansatz beruht auf zwei
Pfeilern:
Erstens: Verstärkte
Eigenanstrengungen der armen Länder;
d.h. sie müssen zu Hause für
Rechtsstaatlichkeit, gute
Regierungsführung, die Bekämpfung der
Korruption, und ein besseres
Investitionsklima sorgen.
Und zweitens: Schnellere,
umfassendere und effektivere
Unterstützung durch die wohlhabenden
Länder. Wobei diese begreifen müssen,
daß die Wirksamkeit der Hilfe umso
größer ist, je mehr die Zusammenarbeit
mit den Entwicklungsländern als
Partnerschaft verstanden wird.
Dieser Ansatz und der Geist
von Monterrey prägt auch das von einer neuen
Generation afrikanischer Führer selbst
entwickelte Konzept der Neuen Partnerschaft
für die Entwicklung Afrikas (NEPAD).
Wo ist Köhlers Ansatz und Geist von
Monterrey geblieben? Wo ist die gute
Rechtsstaatlichkeit der souveränen
Nationalstaaten? Wo ist die Korruption
bekämpft und gutes Investitions-klima? Ich
sehe zur Zeit nur Wohlhabende des Geld- und
Hochadels, die souveräne, westliche,
hochentwickelte Industrienationen über ihre
Schuldenfalle in den Ruin treiben.
Sage mir mal eine (1) demokratisch regierte
Industrienation, die die Zusammenarbeit mit
einem Entwicklungsland als Partnerschaft der
demokratischen, politischen Führungen versteht!
14. Weltbank und IWF
unterstützen dieses Konzept — bei
Federführung der Weltbank — mit technischer
Hilfe und finanzieller Unterstützung im
Rahmen der sogenannten Poverty Reduction
Strategy Papers (PRSP). Das sind im
wesentlichen langfristige
Entwicklungsstrategien, die von den Ländern
selbst verabschiedet wurden. Das neue an
diesem Konzept ist nicht zuletzt, daß die
Bevölkerung in einem breiten
Konsultationsprozeß einbezogen wird, um die
Akzeptanz (Ownership) zu stärken und
auch dadurch die Chancen auf Erfolg zu
verbessern. Wichtig ist ferner, daß diese
Länderstrategien mit anderen bilateralen und
multilateralen Gebern, auch mit NGOs,
besprochen werden, um die Koordinierung der
Entwicklungshilfe zu verbessern.
Köhler spricht hier davon, das Politiker
souverä-ner Nationalstaaten die
Entwicklungsstrategien verabschiedet haben -
nicht das Weltwirtschaft-forum von Klaus
Schwab, nicht Liz Mohn und der
Bertelsmann-Verlag, nicht die Pharma-,
Agrar- oder Lebensmittelindustrie. Die
Strategien werden mit anderen bilateralen
und multilateralen Regierungen besprochen -
nicht mit Nestle oder Monsanto. Um die
Koordinierung der Entwicklungshilfe zu
verbessern sprechen nicht nur Politiker der
Regierungen miteinander sondern die großen
Nichtregierungsorganisatio-nen werden von
den Politikern der souveränen
Nationalstaaten in die Gespräche mit
einbezogen.
Köhler sagt nicht, daß korrupte Politiker
und die rein profitorientierte Wirtschaft
zusammen mit den Führern der NGOs die
Gespräche um die Entwicklungsverhinderung
führen - vorbei an der Zivilbevölkerung,
über die Köpfe der Wähler hinweg.
Der IWF
bringt in dieses Konzept vor allem seine
Expertise im Bereich makroökonomischer
Politik und finanzieller Stabilität ein.
Dabei verfolgen wir Stabilität nicht als
Selbstzweck, sondern weil die Erfahrung
gezeigt hat, daß Inflation und Unordnung in
den Staatsfinanzen dauerhaftem
Wirtschaftswachstum entgegenstehen und im
Ergebnis den Ärmsten am meisten schaden.
Das erleben wir zur Zeit gerade! Köhler
stand den Interessen des Geld- und Hochadels
nicht nur beim IWF im Weg sondern auch als
"machtloser" Bundespräsident.
Inzwischen haben 28 Entwicklungsländer volle PRSPs entwickelt und 21 weitere koordinieren
ihren Entwicklungsprozess mit den
Industrieländern mit Hilfe von
Interim-PRSPs. Erste Erfolge zeichnen sich
deutlich in Ländern wie Mosambik, Tansania,
und Uganda ab. Diese Länder haben nicht nur
die Schocks in der Weltwirtschaft in den
letzten drei Jahren mit relativ stabilem
Wachstum überstanden. In diesen Ländern
nehmen z.B. auch die Aufwendungen für
Bildung und Gesundheit strukturell zu. Der
IWF hat sein Engagement in Afrika nicht
zuletzt durch den Aufbau von zwei regionalen
technischen Hilfszentren in Tansania und
Mali verstärkt. Dort bieten wir den Ländern
Ausbildung und Training vor allem für eine
effiziente öffentliche Finanzwirtschaft und
den Aufbau von entwicklungsgerechten
Finanzsektoren an.
Was Köhler wohl heute dazu sagen würde?
15. Schuldenerleichterung
muß eindeutig Teil eines umfassenden
Konzepts zur Armutsbekämpfung sein. Der
IWF und die Weltbank haben bisher 26 Länder
unter der erweiterten HIPC-Initiative
Schuldenerlaß von rund 40 Milliarden Dollar
gebracht. Im Ergebnis wird dadurch der
Gegenwartswert (Net Present Value)
der Gesamtschulden dieser Länder auf ein
Drittel des ursprünglichen Standes
reduziert. In diesen Ländern sind jetzt die
Sozialausgaben im Schnitt drei Mal so hoch
wie ihr Schuldendienst. Ich rate aber auch
dazu, Schuldenerlaß nicht als Patentrezept
zu verstehen. Das Wort Kredit kommt vom
lateinischen credere, d.h. Vertrauen.
Die Entwicklungsländer müssen das Vertrauen,
dass Verträge eingehalten werden, bewahren
oder aufbauen wenn sie sich die Möglichkeit
des Zugangs zu privaten Finanzierungsmitteln
erschließen wollen. Die Förderung einer
solchen Kreditkultur ist nicht nur für
Entwicklung unentbehrlich, sondern auch für
die Stabilität des internationalen
Finanzsystems insgesamt.
Kredit sollte man eigentlich nie im
Zusammen-hang mit Ethik, Moral und Kultur
nennen - geschweige zu einem Wort
zusammenfügen!
Dank Geld- und Hochadel ist die
demokratische Politik ausgehebelt und die
internationalen Finanzmärkte sind außer Rand
und Band!
Man stelle sich einmal vor, daß Deutschland
die Schulden zu zwei Dritteln erlassen
werden und wir dafür die Sozialausgaben
verdreifachen.
16. Der wahre
Glaubwürdigkeitstest für die
Industrieländer, Armut zu bekämpfen, liegt
für mich in ihrer Bereitschaft zur
Marktöffnung gegenüber den armen Ländern,
einschließlich dem Abbau marktverzerrender
Subventionen, und in der Einhaltung von
Versprechungen an staatlicher
Entwicklungshilfe. Handel ist ein Motor
des Wirtschaftswachstums, ohne das
letztendlich die Armutsbekämpfung nicht
wirklich vorankommen kann. Handel ist die
beste Hilfe zur Selbsthilfe, und wirkt der
Abhängigkeit von öffentlicher
Entwicklungshilfe entgegen. Es ist
überfällig, daß die Industrieländer ihre
Märkte stärker und schneller für die
Produkte aus Entwicklungsländern öffnen.
Weitreichende Reformen in der Agrarpolitik
aller Industrieländer sind dazu dringend von
Nöten — aus fundamentaler moralischer
Verantwortung heraus und weil es
wirtschaftlich Sinn macht:
Die Abschaffung aller
Handelsbarrieren im Bereich des
weltweiten Warenhandels würde, je nach
Schätzung und ohne
Produktivitätszuwächse und bessere
Investitionschancen zu berücksichtigen,
zu einem jährlichen Einkommenszuwachs
von zwischen 250 und 620 Milliarden
Dollar führen — wovon ein Drittel bis
die Hälfte Entwicklungsländern zugute
kommen würde;
Die Unterstützung für die
Agrarsektoren in der OECD im Jahr 2001
beliefen sich auf über 300 Mrd. US-$,
das Sechsfache der Entwicklungshilfe aus
diesen Ländern. Auf jede Kuh in Europa
kommt eine jährliche Subvention von 2,50
US Dollar — also statistisch mehr als
der Betrag mit dem in
Entwicklungsländern fast drei Milliarden
Menschen am Tag auskommen müssen!
Handelsschranken verhindern den
Aufbau von verarbeitenden Industrien in
den Entwicklungsländern. Beispielsweise
erhebt die EU keinen Zoll auf die
Einfuhr von Kakaobohnen, während
Kakaopaste, ein Halbfertigprodukt,
dagegen einem Zollsatz von 9,6 Prozent
unterliegt, und verarbeitete Schokolode
einem gestaffelten Zollsatz, der bis zu
25 Prozent betragen kann.
Es war eine Art Sternstunde in der
Entwicklungspolitik als die
Verhandlungsführer in der
Welthandelsorganisation vor 2 Jahren in Doha
(Katar) sich darauf verständigten, eine neue
Initiative zur multilateralen
Liberalisierung des Welthandels zu einer
,,Entwicklungsrunde" zu machen. Heute müssen
wir uns besorgt fragen, ob dieser Optimismus
noch berechtigt ist. Enttäuschend ist in
jedem Fall, dass die vereinbarte Klärung
über die Modalitäten der Verhandlungen im
Agrarbereich nicht zu dem geplanten Termin
in März zustande kam. Dreiviertel der Armen
der Welt leben in ländlichen Gebieten und
sind abhängig von der Landwirtschaft.
Deshalb ist der Agrarbereich der Schlüssel
zu einer wirklichen ,,Entwicklungsrunde".
Darüber hinaus ist der erfolgreiche
Abschluss der Doha Runde zu dem vereinbarten
Zeitpunkt in 2005 auch ein essentieller
Schritt, um das notwendige Grundvertrauen in
Zusammenarbeit und Ausgleich in der Welt zu
stärken, und damit den Wirtschaftsaufschwung
zu unterstützen.
Die Sternstunde der Entwicklungspolitik in
DOHA war laut Köhler 2001 und 2003 (zur Zeit
dieses Vortrags) mußte man schon bezweifeln,
das der Optimismus von 2001 angebracht war.
Was war 2005??? Was ist heute - 2010 -
eigentlich daraus geworden???
17. Es ist auch
überfällig, daß die Industrieländer endlich
ihr Versprechen wahrmachen, 0,7 Prozent
ihres Bruttosozialprodukts für staatliche
Entwicklungshilfe aufzuwenden. In
Deutschland liegt die Entwicklungshilfe
jetzt bei 0,26 Prozent des BSP. Wer immer
nach Ursachen und auch Schuldigen sucht für
Ungerechtigkeit in der Welt, sollte nicht
zuletzt über diese Zahl nachdenken. Sie ist
ein konkreter Ausdruck aktueller
gesellschaftlicher Präferenzen in
Deutschland.
Das war Köhler 2003.
***
Eine globale Welt braucht eine globale
Ethik
18. Ich bin grundsätzlich
Optimist und davon überzeugt, daß mit der
richtigen Politik eine bessere
Globalisierung möglich ist — und dies heißt
nicht zuletzt auch die Überwindung
schreiender Armut in der Welt. Aber auch die
jüngsten Finanzskandale in den USA und in
Europa sollten uns daran erinnern, daß sich
gute Marktwirtschaft und gute
Unternehmensführung nicht nur an der Höhe
des Gewinns bemisst. Wir brauchen eine
Unternehmensethik dauerhafter Wertebildung,
die Kapitaleigner, Arbeitnehmer und die
Umwelt einschließt. Ich teile auch die
Meinung von Hans Küng, daß es kein Überleben
des Globus geben kann ohne globale Ethik.
Diese Ethik muß Menschenrechte respektieren,
aber auch vermitteln, daß den Rechten
Pflichten gegenüberstehen. Hans Küng hat
darüber hinaus aufgezeigt, daß es zwischen
den großen Weltreligionen eine ganze Reihe
von wichtigen Gemeinsamkeiten gibt. Ich sehe
auch darin einen Anhaltspunkt für
Optimismus, nicht zuletzt für den
notwendigen Heilungsprozess im Mittleren
Osten. Wir alle müssen und können daran
mitwirken, ,,eine gemeinsame Zivilisation
des friedlichen Miteinander" zu entwickeln
(Roman Herzog). Das ist jedenfalls auch die
Basis meiner Vision für den IWF.
Sowohl Herzog als auch Köhler sprechen von
globaler Ethik und gemeinsamer Zivilisation
und sie sprechen von einem friedlichen
Miteinander souveräner autarker
Nationalstaaten mit fähigen
Politikern, die Kapital und Wirtschaft ihrer
Länder im Sinne mündiger Wähler und
Staatsbürger regieren und fairen Handel als
Partner miteinander treiben mit stabilen
Währungen und Wechselkursen.
Ich weiß nicht,
was Horst Köhler oder seine "Ghostwriter"
sich dabei gedacht haben.
Ich interpretiere den Vortrag ja lediglich
in meiner eigenen konstruierten Realität.
Jeder andere interpretiert den Vortrag in
seiner konstruierten Realität.
Um letztendlich in Erfahrung zu bringen was
Köhler mit dem Vortrag sagen will,
muß man ihn selber fragen.
Aber das ist auch nicht unbedingt
zielführend.
Köhler´s Aussagen ergebnisorientiert
umsetzen wäre zielführend. Dem müßte aber
zunächst die Bewußtwerdung über die
unbegriffenen Mächte vorausgehen.
Es ist mir
völlig unbegreiflich, daß die Diskussion um
die Transformation, den Umbruch, die
transnationale Vergesell-schaftung bei uns
in Deutschland noch nicht in der Mitte der
Gesellschaft angekommen ist. Gerade eben hat
das Institut für Wirtschaftsforschung
festgestellt, daß sich die Mittelschicht in
Deutschland in Auflösung befindet. Die
wahren Hintergründe dafür sind entweder
nicht bekannt oder sie werden nicht genannt.
Viel schlimmer ist aber, das die
Mittelschicht selber das gar nicht zur
Kenntnis nimmt oder sich zumindest nicht
dazu äußert.
Die neuerliche Gesundheitsreform wird auch
wieder auf dem Rücken der mittleren
Einkommen ausgetragen. Die angehobenen
Krankenkassenbeiträge bezahlen Leute in
sozialversicherungspflichtigen
Arbeitsverhältnissen. Die Niedriglöhner
werden mit Steuergeldern subventioniert, die
auch wieder von den Leuten in
sozialversicherungs-pflichtigen
Arbeitsverhältnissen erbracht werden. In
Deutschland gibt es seit etlichen Jahren
eine Debatte um das Ehrenamt, um
bürgerschaftliches Engagement, um die
Zivilgesellschaft.
In der Debatte geht es um Sektoren. Die
Gesellschaft ist aufgeteilt in drei
Sektoren: Politik, Wirtschaft,
Zivilgesellschaft. Die Wirtschaft demontiert
die Politik. Die Politik demontiert das
Bürgertum. Auf der Strecke bleibt die
Demokratie, die Soziale Marktwirtschaft, die
Sozialversicherung, der Nationalstaat
Deutschland samt Grundgesetz.
Gemeinsam denken Politik und Wirtschaft
darüber nach, wie die Zivilgesellschaft dazu
verpflichtet werden kann, staatstragende
Aufgaben zu erledigen, die die Politik nicht
mehr erfüllen kann und die die Wirtschaft
nicht leisten will.
Ein Lösungsansatz sind "Bürgerstiftungen" á
la Bertelsmann. Dazu hat die Politik das
Spenden- und Stiftungsgesetz angepaßt.
Stiftungskapital ist Privatkapital und kann
nicht verloren gehen. Es kann nur wachsen.
Ein toller Ansatz.
Das bedeutet versilbern des
nationalstaatlichen Tafelsilbers der
Bundesrepublik Deutschland. Das Tafelsilber
des souveränen Volkes wird privatisiert.
Einen Disput gibt es über die
Zivilgesellschaft. Spenden, Stiftungen und
ehrenamtliche Arbeit beruhen auf
Freiwilligkeit.
Die Erledigung staatstragender Aufgaben wäre
so der Lust und Laune von Spendern, Stiftern
und Ehrenamtlichen ausgesetzt. Das bereitet
den Akteuren in einem Einwanderungsland mit
einer auf dem Kopf stehenden
Bevölkerungspyramide Kopfzerbrechen. Der
Geld- und Hochadel streut ein paar Perlen
vor die Säue, geschröpft wird die ohnehin
gebeutelte Mittelschicht und der
Sozialschrott wird per Gesetz zum
Arbeitsdienst verpflichtet.
Nur darf man das so nicht formulieren. Der
Begriff "Arbeitsdienst" ist irgendwie
negativ behaftet.
Ich bin
eigentlich der Meinung, das - wenn das Volk
, die Wähler, die "mündigen" Staatsbürger
morgen verstehen und begreifen würden was
hier passiert - morgen ein Volkssturm der
Entrüstung losbrechen würde, der
Seinesgleichen sucht.
Aber das Volk, um das es hier geht, befindet
sich in einem tiefen
gesamtgesellschaftlichen Koma und war nie
weiter davon entfernt irgendetwas zu
begreifen. So ergeht es auch unseren
Politikern und den sich systemimmanent
verhaltenden Parteien.
Jürgen
Rüttgers - Liz Mohn
Die Bertelsmann-Erbin Liz Mohn
erhält den
Großen Verdienstorden der
Bundesrepublik Deutschland
Weltwirtschaftlicher Preis 2010 für
Liz Mohn
Studentenkundgebung
Hannover 2009 Ausschnitt
Schwäbische Gosch - Der Horst ist
weg!
Fazit:
Die Eliten bleiben unter sich
Deutschland und die Welt braucht
kein akademisches Proletariat
(sonst hätte die Mittelschicht
vielleicht mal was gemerkt)
Störenfriede werden eliminiert
Die 68er lassen grüßen:
Die Studentenbewegung wurde
zusammengeprügelt.
Die Arbeiterbewegung wurde
zusammengeprügelt.
Die außerparlamentarische Opposition
wurde zusammengeprügelt.
Der Rechtsstaat des Geld- und
Hochadels wurde wieder hergestellt.
Bewußtwerdung und Aufklärung hat nie
stattgefunden.
Morgen kann sich alles wiederholen.
The Coming Collapse of the Middle Class - 2008
Der kommende Kollaps der
Mittelschicht
Elizabeth Warren an der Universität
von Californien,Berkeley
The Two Income Trap
Elizabeth Warren im Gespräch mit der
Massachusetts School of Law
Die Zahlungsunfähigkeit ist
vorprogrammiert!
Der Tag der Abrechnung wird kommen!
Ich habe hier noch einen von Jürgen Habermas,
der in unserer Republik und weit darüber
hinaus ja auch nicht unbedingt als
"Nullnummer" wahrgenommen wird:
Nach dem Bankrott,
Der Privatisierungswahn
ist an sein Ende
gekommen. Nicht der
Markt, sondern die
Politik ist für das
Gemeinwohl zuständig:
Ein Gespräch mit dem
Philosophen Jürgen
Habermas über die
Notwendigkeit einer
internationalen
Weltordnung (Nachdruck
des Interviews: DIE
ZEIT, 06.11.2008 Nr. 46)
Nach dem Bankrott
Thomas Assheuer im
Interview mit Jürgen
Habermas
Der
Privatisierungswahn ist
an sein Ende gekommen.
Nicht der Markt, sondern
die Politik ist für das
Gemeinwohl zuständig:
Ein Gespräch mit dem
Philosophen Jürgen
Habermas über die
Notwendigkeit einer
internationalen
Weltordnung
DIE ZEIT:
Herr Habermas, das
internationale
Finanzsystem ist
kollabiert, es droht
eine
Weltwirtschaftskrise.
Was beunruhigt Sie am
meisten?
Jürgen
Habermas: Was
mich am meisten
beunruhigt, ist die
himmelschreiende soziale
Ungerechtigkeit, die
darin besteht, dass die
sozialisierten Kosten
des Systemversagens die
verletzbarsten sozialen
Gruppen am härtesten
treffen. Nun wird die
Masse derer, die ohnehin
nicht zu den
Globalisierungsgewinnern
gehören, für die
realwirtschaftlichen
Folgen einer
vorhersehbaren
Funktionsstörung des
Finanzsystems noch
einmal zur Kasse
gebeten. Und dies nicht
wie die Aktienbesitzer
in Geldwerten, sondern
in der harten Währung
ihrer alltäglichen
Existenz. Auch im
globalen Maßstab
vollzieht sich dieses
strafende Schicksal an
den ökonomisch
schwächsten Ländern. Das
ist der politische
Skandal. Jetzt mit dem
Finger auf Sündenböcke
zu zeigen, halte ich
allerdings für
Heuchelei. Auch die
Spekulanten haben sich
im Rahmen der Gesetze
konsequent nach der
gesellschaftlich
anerkannten Logik der
Gewinnmaximierung
verhalten. Die Politik
macht sich lächerlich,
wenn sie moralisiert,
statt sich auf das
Zwangsrecht des
demokratischen
Gesetzgebers zu stützen.
Sie und nicht der
Kapitalismus ist für die
Gemeinwohlorientierung
zuständig.
ZEIT:
Sie haben gerade
Vorlesungen an der
Universität Yale
gehalten. Was waren für
Sie die eindrücklichsten
Bilder dieser Krise?
Habermas:
Über die
Bildschirme flimmerte
die hoppersche
Melancholie der
Endlosschleife langer
Reihen verlassener
Häuschen in Florida und
anderswo – mit dem
Schild »Foreclosure«
im Vorgarten.
Anschließend die Busse
mit den neugierigen
Kaufinteressenten aus
Europa und den Reichen
aus Lateinamerika, und
dann der Makler, der
ihnen im Schlafzimmer
die aus Wut und
Verzweiflung zerstörten
Wandschränke zeigt. Nach
meiner Rückkehr hat mich
überrascht, wie sehr
sich die aufgeregte
Stimmung in den USA vom
gleichmütigen business
as usual hierzulande
unterscheidet. Dort
verbanden sich die
höchst realen
wirtschaftlichen Ängste
mit der heißen Endphase
eines der
folgenreichsten
Wahlkämpfe. Die Krise
hat auch den breiten
Wählerschichten ihre
persönliche
Interessenlage schärfer
zu Bewusstsein gebracht.
Sie nötigte die Leute
nicht notwendig zu
vernünftigeren, aber zu
rationaleren
Entscheidungen –
jedenfalls im Vergleich
zur letzten, durch
Nine-Eleven ideologisch
aufgeputschten
Präsidentschaftswahl.
Diesem zufälligen
Zusammentreffen wird
Amerika, wie ich
unmittelbar vor der Wahl
anzunehmen wage, den
ersten schwarzen
Präsidenten verdanken –
und damit einen tiefen
historischen Einschnitt
in der Geschichte seiner
politischen Kultur.
Darüber hinaus könnte
aber die Krise auch in
Europa einen Wechsel der
politischen
Großwetterlage
ankündigen.
ZEIT:
Was meinen Sie damit?
Habermas:
Solche Gezeitenwechsel
verändern die Parameter
der öffentlichen
Diskussion; damit
verschiebt sich das
Spektrum der für möglich
gehaltenen politischen
Alternativen. Mit dem
Koreakrieg ging die
Periode des New Deal zu
Ende, mit Reagan und
Thatcher und dem
Abflauen des Kalten
Krieges die Zeit der
sozialstaatlichen
Programme. Und heute ist
mit dem Ende der
Bush-Ära und dem
Zerplatzen der letzten
neoliberalen
Sprechblasen auch die
Programmatik von Clinton
und New Labour
ausgelaufen. Was kommt
jetzt? Ich hoffe, dass
die neoliberale Agenda
nicht mehr für bare
Münze genommen, sondern
zur Disposition gestellt
wird. Das ganze Programm
einer hemmungslosen
Unterwerfung der
Lebenswelt unter
Imperative des Marktes
muss auf den Prüfstand.
ZEIT:
Für Neoliberale ist der
Staat nur ein Mitspieler
auf dem ökonomischen
Feld. Er soll sich
kleinmachen. Ist dieses
Denken nun
diskreditiert?
Habermas:
Das hängt vom Verlauf
der Krise ab, von der
Wahrnehmungsfähigkeit
der politischen
Parteien, von den
öffentlichen Themen. In
der Bundesrepublik
herrscht ja noch eine
eigentümliche
Windstille. Blamiert hat
sich die Agenda, die
Anlegerinteressen eine
rücksichtslose Dominanz
einräumt, die ungerührt
wachsende soziale
Ungleichheit, das
Entstehen eines
Prekariats, Kinderarmut,
Niedriglöhne und so
weiter in Kauf nimmt,
die mit ihrem
Privatisierungswahn
Kernfunktionen des
Staates aushöhlt, die
die deliberativen Reste
der politischen
Öffentlichkeit an
renditesteigernde
Finanzinvestoren
verscherbelt, Kultur und
Bildung von den
Interessen und Launen
konjunkturempfindlicher
Sponsoren abhängig
macht.
ZEIT:
Und nun, in der
Finanzkrise, werden die
Folgen des
Privatisierungswahns
sichtbar?
Habermas:
In den USA verschärft
die Krise die schon
jetzt sichtbaren
materiellen und
moralischen, sozialen
und kulturellen Schäden
einer von Bush auf die
Spitze getriebenen
Politik der
Entstaatlichung. Die
Privatisierung der
Alters- und
Gesundheitsvorsorge, des
öffentlichen Verkehrs,
der Energieversorgung,
des Strafvollzuges,
militärischer
Sicherungsaufgaben,
weiter Bereiche der
Schul- und
Universitätsausbildung
und das Ausliefern der
kulturellen
Infrastruktur von
Städten und Gemeinden an
das Engagement und die
Großherzigkeit privater
Stifter gehören zu einem
Gesellschaftsdesign, das
in seinen Risiken und
Auswirkungen mit den
egalitären Grundsätzen
eines sozialen und
demokratischen
Rechtsstaates schlecht
zusammenpasst.
ZEIT:
Staatliche
Bürokratien können
einfach nicht rentabel
wirtschaften.
Habermas:
Aber es gibt verletzbare
Lebensbereiche, die wir
den Risiken der
Börsenspekulation nicht
aussetzen dürfen; dem
widerspricht die
Umstellung der
Altersversorgung auf
Aktien. Im
demokratischen
Verfassungsstaat gibt es
auch öffentliche Güter
wie die unverzerrte
politische
Kommunikation, die nicht
auf die
Renditeerwartungen von
Finanzinvestoren
zugeschnitten werden
dürfen. Das
Informationsbedürfnis
von Staatsbürgern kann
nicht von der
konsumreifen
Häppchenkultur eines
flächendeckenden
Privatfernsehens
befriedigt werden.
ZEIT:
Haben wir es, um ein
kontrovers diskutiertes
Buch von Ihnen zu
zitieren, mit einer
»Legitimationskrise des
Kapitalismus« zu tun?
Habermas:
Seit 1989/90 gibt es
kein Ausbrechen mehr aus
dem Universum des
Kapitalismus; es kann
nur um eine
Zivilisierung und
Zähmung der
kapitalistischen Dynamik
von innen gehen. Schon
während der
Nachkriegszeit war die
Sowjetunion für die
Masse der
westeuropäischen Linken
keine Alternative.
Deswegen habe ich 1973
von
Legitimationsproblemen
»im« Kapitalismus
gesprochen. Und die
stehen wieder, je nach
nationalem Kontext mehr
oder weniger dringlich,
auf der Tagesordnung.
Ein Symptom sind die
Forderungen nach
Begrenzung der
Managergehälter oder
nach Abschaffung der
golden parachutes,
der unsäglichen
Abfindungen und
Bonuszahlungen.
ZEIT:
Das ist doch Politik
fürs Schaufenster. Im
nächsten Jahr sind
Wahlen.
Habermas:
Stimmt, das ist
natürlich symbolische
Politik und eignet sich
zum Ablenken vom
Versagen der Politiker
und ihrer
wirtschaftswissenschaftlichen
Berater. Die wussten
seit Langem über den
Regelungsbedarf der
Finanzmärkte Bescheid.
Ich habe mir gerade
Helmut Schmidts
glasklaren Artikel
Beaufsichtigt die neuen
Großspekulanten!
vom Februar 2007 noch
einmal durchgelesen
(ZEIT Nr. 6/07).
Alle wussten es. Aber in
Amerika und
Großbritannien haben die
politischen Eliten die
ungezügelte Spekulation,
solange es eben gut
ging, für nützlich
gehalten. Und auf dem
europäischen Kontinent
hat man sich dem
Washington-Konsens
gebeugt. Auch hier gab
es eine breite Koalition
der Willigen, für die
Herr Rumsfeld nicht zu
werben brauchte.
ZEIT:
Der Washington-Konsens
war das
berühmt-berüchtigte
Wirtschaftskonzept von
IWF und Weltbank aus dem
Jahr 1990, mit dem
zuerst Lateinamerika und
dann die halbe Welt
reformiert werden
sollte. Seine zentrale
Botschaft lautete:
Trickle down. Lasst
die Reichen reicher
werden, dann sickert der
Wohlstand schon zu den
Armen.
Habermas:
Seit vielen Jahren
häufen sich die
empirischen Belege
dafür, dass diese
Prognose falsch ist. Die
Effekte der
Wohlstandssteigerung
sind national und
weltweit so asymmetrisch
verteilt, dass sich die
Armutszonen vor unser
aller Augen ausgebreitet
haben.
ZEIT:
Um etwas
Vergangenheitsbewältigung
zu betreiben: Warum ist
der Wohlstand so
ungleich verteilt? Hat
das Ende der
kommunistischen
Bedrohung den westlichen
Kapitalismus enthemmt?
Habermas:
Mit dem
nationalstaatlich
beherrschten, durch
keynesianische
Wirtschaftspolitiken
eingehegten
Kapitalismus, der ja den
OECD-Ländern einen aus
historischer Sicht
unvergleichlichen
Wohlstand beschert hat,
war es schon früher am
Ende – nach der
Preisgabe des Systems
der festen Wechselkurse
und dem Ölschock. Die
ökonomische Lehre der
Chicago-Schule ist
bereits unter Reagan und
Thatcher zur praktischen
Gewalt geworden. Das hat
sich unter Clinton und
New Labour – auch
während der Ministerzeit
unseres jüngsten Helden
Gordon Brown – nur
fortgesetzt. Allerdings
hat der Zusammenbruch
der Sowjetunion im
Westen einen fatalen
Triumphalismus
ausgelöst. Das Gefühl,
weltgeschichtlich recht
bekommen zu haben, übt
eine verführerische
Wirkung aus. In diesem
Fall hat es eine
wirtschaftspolitische
Lehre zu einer
Weltanschauung
aufgebläht, die alle
Lebensbereiche
penetriert.
ZEIT:
Der Neoliberalismus ist
eine Lebensform. Alle
Bürger sollen zu
Unternehmern und zu
Kunden werden…
Habermas:
…und zu Konkurrenten.
Der Stärkere, der sich
in der freien Wildbahn
der
Konkurrenzgesellschaft
durchsetzt, darf sich
diesen Erfolg als
persönliches Verdienst
anrechnen lassen. Es ist
von abgründiger Komik,
wie Wirtschaftsmanager –
und nicht nur die – dem
Elitegeschwätz unserer
Talkrunden auf den Leim
gehen, sich allen
Ernstes als Vorbilder
feiern lassen und mental
den Rest der
Gesellschaft unter sich
lassen. Als könnten sie
nicht mehr unterscheiden
zwischen funktionalen
und
ehrpusselig-ständegesellschaftlichen
Eliten. Was, bitte, soll
am Charakter von Leuten
in Führungspositionen,
die ihre Arbeit halbwegs
ordentlich tun,
exemplarisch sein? Ein
weiteres Alarmzeichen
war die Bush-Doktrin vom
Herbst 2002, die die
Irakinvasion vorbereitet
hat. Das
sozialdarwinistische
Potenzial des
Marktfundamentalismus
hat sich seitdem nicht
mehr nur in der
Gesellschaftspolitik,
sondern auch in der
Außenpolitik entfaltet.
ZEIT:
Aber es war ja nicht
Bush allein. Ihm stand
eine erstaunliche Schar
einflussreicher
Intellektueller zur
Seite.
Habermas:
Und viele haben nichts
hinzugelernt. Bei
Vordenkern wie Robert
Kagan tritt nach dem
Irakdesaster das Denken
in Carl Schmittschen
Wolfs-Kategorien noch
deutlicher hervor. Den
regressiven Absturz der
Weltpolitik in ein
atomar bewaffnetes,
hochbrisantes
Machtgerangel
kommentiert er heute mit
den Worten: »Die Welt
ist wieder normal
geworden.«
ZEIT:
Aber noch einmal zurück:
Was wurde nach 1989
versäumt? Ist das
Kapital schlicht zu
mächtig geworden
gegenüber der Politik?
Habermas:
Mir ist im Laufe der
neunziger Jahre klar
geworden, dass die
politischen
Handlungskapazitäten den
Märkten auf
supranationaler Ebene
nachwachsen müssen.
Danach sah es ja auch in
den frühen neunziger
Jahren zunächst aus.
George Bush der Ältere
sprach programmatisch
von einer Neuen
Weltordnung und schien
auch die lange Zeit
blockierten – und
verächtlich gemachten! –
Vereinten Nationen in
Anspruch nehmen zu
wollen. Die vom
Sicherheitsrat
beschlossenen
humanitären
Interventionen stiegen
zunächst sprunghaft an.
Der politisch gewollten
wirtschaftlichen
Globalisierung hätten
eine weltweite
politische Koordination
und die weitere
Verrechtlichung der
internationalen
Beziehungen folgen
sollen. Aber die ersten
ambivalenten Ansätze
sind schon unter Clinton
stecken geblieben.
Dieses Defizit bringt
die gegenwärtige Krise
wieder zu Bewusstsein.
Seit den Anfängen der
Moderne müssen Markt und
Politik immer wieder so
ausbalanciert werden,
dass das Netz der
solidarischen
Beziehungen zwischen den
Mitgliedern einer
politischen Gemeinschaft
nicht reißt. Eine
Spannung zwischen
Kapitalismus und
Demokratie bleibt immer
bestehen, weil Markt und
Politik auf
gegensätzlichen
Prinzipien beruhen. Auch
nach dem letzten
Globalisierungsschub
verlangt die Flut der in
komplexer gewordenen
Netzwerken freigesetzten
dezentralisierten
Wahlentscheidungen nach
Regelungen, die es ohne
eine entsprechende
Erweiterung von
politischen Verfahren
der
Interessenverallgemeinerung
nicht geben kann.
ZEIT:
Aber was heißt das? Sie
halten an Kants
Kosmopolitismus fest und
nehmen die von Carl
Friedrich von Weizsäcker
ins Spiel gebrachte Idee
einer Weltinnenpolitik
auf. Mit Verlaub, das
klingt ziemlich
illusionär. Man muss
sich doch nur den
Zustand der Vereinten
Nationen anschauen.
Habermas:
Selbst eine gründliche
Reform der
Kerninstitutionen der
Vereinten Nationen wäre
nicht ausreichend.
Gewiss, der
Sicherheitsrat, das
Sekretariat, die
Gerichtshöfe, überhaupt
die Kompetenzen und
Verfahren dieser
Institutionen müssten
dringend für eine
globale Durchsetzung des
Gewaltverbots und der
Menschenrechte fit
gemacht werden – für
sich genommen schon eine
immense Aufgabe. Aber
selbst wenn sich die
UN-Charta zu einer Art
Verfassung der
internationalen
Gemeinschaft entwickeln
ließe, fehlte in diesem
Rahmen immer noch ein
Forum, auf dem sich die
bewaffnete Machtpolitik
der Weltmächte in
institutionalisierte
Verhandlungen über die
regelungsbedürftigen
Probleme der
Weltwirtschaft, der
Klima- und
Umweltpolitik, der
Verteilung umkämpfter
Energieressourcen,
knapper
Trinkwasserbestände und
so weiter verwandelt.
Auf dieser
transnationalen Ebene
entstehen
Verteilungsprobleme, die
nicht in derselben Art
wie
Menschenrechtsverstöße
oder Verletzungen der
internationalen
Sicherheit – letztlich
als Straftatbestände –
entschieden werden
können, sondern
politisch ausgehandelt
werden müssen.
ZEIT:
Dafür gibt es
doch schon eine bewährte
Einrichtung: die G8.
Habermas:
Das ist ein exklusiver
Club, in dem einige
dieser Fragen
unverbindlich besprochen
werden. Zwischen den
überspannten
Erwartungen, die sich an
diese Inszenierungen
knüpfen, und dem
dürftigen Ertrag der
folgenlosen
Medienspektakel besteht
übrigens ein
verräterisches
Missverhältnis. Der
illusionäre
Erwartungsdruck zeigt,
dass die Bevölkerungen
die ungelösten Probleme
einer künftigen
Weltinnenpolitik sehr
wohl wahrnehmen – und
vielleicht stärker
empfinden als ihre
Regierungen.
ZEIT:
Die Rede von
»Weltinnenpolitik«
klingt eher nach den
Träumen eines
Geistersehers.
Habermas:
Noch gestern hätten es
die meisten für
unrealistisch gehalten,
was heute passiert: Die
europäischen und
asiatischen Regierungen
überbieten sich im
Hinblick auf die
fehlende
Institutionalisierung
der Finanzmärkte mit
Regulierungsvorschlägen.
Auch SPD und CDU machen
Vorschläge zu
Bilanzpflicht und
Eigenkapitalbildung, zur
persönlichen Haftung der
Manager, zur
Verbesserung der
Transparenz, der
Börsenaufsicht und so
weiter. Von einer
Börsenumsatzsteuer, die
schon ein Stück globaler
Steuerpolitik wäre, ist
freilich nur
gelegentlich die Rede.
Die vollmundig
angestrebte neue
»Architektur des
Finanzsystems« wird
gegen Widerstände aus
den USA ohnehin nicht
einfach durchzusetzen
sein. Aber ob sie
angesichts der
Komplexität dieser
Märkte und der
weltweiten
Interdependenz der
wichtigsten
Funktionssysteme
überhaupt genügen würde?
Völkerrechtliche
Verträge, an die die
Parteien heute denken,
können jederzeit
aufgekündigt werden.
Daraus entsteht noch
kein wetterfestes
Regime.
ZEIT:
Selbst wenn dem
Weltwährungsfonds neue
Kompetenzen übertragen
würden, wäre das noch
keine Weltinnenpolitik.
Habermas:
Ich will keine
Voraussagen machen.
Angesichts der Probleme
können wir bestenfalls
konstruktive
Überlegungen anstellen.
Die Nationalstaaten
müssten sich zunehmend,
und zwar im eigenen
Interesse, als
Mitglieder der
internationalen
Gemeinschaft verstehen.
Das ist das dickste
Brett, das in den
nächsten Jahrzehnten zu
bohren wäre. Wenn wir
mit dem Blick auf diese
Bühne von »Politik«
reden, meinen wir oft
noch das Handeln von
Regierungen, die das
Selbstverständnis von
souverän entscheidenden
kollektiven Akteuren
geerbt haben. Doch
dieses Selbstverständnis
eines Leviathan, das
sich seit dem 17.
Jahrhundert zusammen mit
dem europäischen
Staatensystem entwickelt
hat, ist schon heute
nicht mehr ungebrochen.
Was wir bis gestern
»Politik« nannten,
ändert täglich seinen
Aggregatzustand.
ZEIT:
Aber wie passt das zum
Sozialdarwinismus, der
sich, wie Sie sagen,
seit Nine-Eleven in der
Weltpolitik wieder
breitmacht?
Habermas:
Vielleicht sollte man
einen Schritt
zurücktreten und auf
einen größeren
Zusammenhang schauen.
Seit dem späten 18.
Jahrhundert haben Recht
und Gesetz die politisch
verfasste
Regierungsgewalt
durchdrungen und ihr im
Binnenverkehr den
substanziellen Charakter
einer bloßen »Gewalt«
abgestreift. Nach außen
hat sie sich von dieser
Substanz allerdings
genug bewahrt – trotz
des wuchernden Geflechts
von internationalen
Organisationen und der
zunehmenden
Bindungskraft des
internationalen Rechts.
Dennoch ist der
nationalstaatlich
geprägte Begriff des
»Politischen« im Fluss.
Innerhalb der
Europäischen Union haben
beispielsweise die
Mitgliedstaaten nach wie
vor das Gewaltmonopol
inne und setzen
gleichwohl das Recht,
das auf supranationaler
Ebene beschlossen wird,
mehr oder weniger
klaglos um. Dieser
Formwandel von Recht und
Politik hängt auch mit
einer kapitalistischen
Dynamik zusammen, die
sich als ein
Wechselspiel von
funktional erzwungener
Öffnung und
sozialintegrativer
Schließung auf jeweils
höherem Niveau
beschreiben lässt.
ZEIT:
Der Markt sprengt die
Gesellschaft auf, und
der Sozialstaat schließt
sie wieder?
Habermas:
Der Sozialstaat ist eine
späte und, wie wir
erfahren, fragile
Errungenschaft. Die
expandierenden Märkte
und Kommunikationsnetze
hatten immer schon eine
aufsprengende, für den
einzelnen Bürger
zugleich
individualisierende und
befreiende Kraft; darauf
ist aber stets eine
Reorganisation der alten
Solidarverhältnisse in
einem erweiterten
institutionellen Rahmen
erfolgt. Dieser Prozess
hat in der frühen
Moderne begonnen, als
die
hochmittelalterlichen
Herrschaftsstände in den
neuen Territorialstaaten
schrittweise
parlamentarisiert –
Beispiel England – oder
– Beispiel Frankreich –
durch absolutistische
Könige mediatisiert
worden sind. Der Vorgang
hat sich im Gefolge der
Verfassungsrevolutionen
des 18. und 19.
Jahrhunderts und der
Sozialstaatsgesetzgebungen
des 20. Jahrhunderts
fortgesetzt. Diese
rechtliche Zähmung des
Leviathan und des
Klassenantagonismus war
keine einfache Sache.
Aber aus denselben
funktionalen Gründen
weist die gelungene
Konstitutionalisierung
von Staat und
Gesellschaft heute, nach
dem weiteren Schub der
wirtschaftlichen
Globalisierung, in die
Richtung einer
Konstitutionalisierung
des Völkerrechts und der
zerrissenen
Weltgesellschaft.
ZEIT:
Welche Rolle spielt
Europa in diesem
optimistischen Szenario?
Habermas:
Eine andere als die, die
es in der Krise
tatsächlich gespielt
hat. Ich verstehe nicht
ganz, warum das
Krisenmanagement der
Europäischen Union so
gelobt wird. Gordon
Brown konnte mit seiner
denkwürdigen
Entscheidung den
amerikanischen
Finanzminister Paulson
zu einer Kehrtwende in
der Interpretation des
mühsam beschlossenen
bailout bewegen,
weil er über den
französischen
Präsidenten und gegen
das anfängliche
Widerstreben von Merkel
und Steinbrück die
wichtigsten Spieler der
Euro-Zone an Bord geholt
hat. Man muss sich
diesen
Verhandlungsprozess und
dessen Ergebnis nur
genau anschauen. Es
waren doch die drei
mächtigsten in der EU
vereinten
Nationalstaaten, die als
souverän handelnde
Akteure vereinbart
haben, ihre jeweils
verschiedenen, aber
gleichgerichteten
Maßnahmen zu
koordinieren. Trotz der
Anwesenheit der Herren
Juncker und Barroso hat
das Zustandekommen
dieser internationalen
Vereinbarung klassischen
Stils kaum etwas mit
einer gemeinsamen
politischen
Willensbildung der
Europäischen Union zu
tun. Die New York
Times hat denn auch
die europäische
Unfähigkeit zu einer
gemeinsamen
Wirtschaftspolitik nicht
ohne eine gewisse Häme
registriert.
ZEIT:
Und worauf führen Sie
diese Unfähigkeit
zurück?
Habermas:
Der weitere Verlauf der
Krise macht ja den Makel
der europäischen
Konstruktion offenbar:
Jedes Land reagiert mit
eigenen
wirtschaftspolitischen
Maßnahmen. Weil die
Kompetenzen in der
Union, vereinfacht
gesagt, so verteilt
sind, dass Brüssel und
der Europäische
Gerichtshof die
Wirtschaftsfreiheiten
durchsetzen, während die
dadurch entstehenden
externen Kosten auf die
Mitgliedsländer
abgewälzt werden, gibt
es heute keine
gemeinsame
wirtschaftspolitische
Willensbildung. Die
wichtigsten
Mitgliedstaaten sind
schon über die
Grundsätze, wie viel
Staat und wie viel Markt
man überhaupt will,
zerstritten. Und jedes
Land betreibt seine
eigene Außenpolitik,
allen voran die
Bundesrepublik. Die
Berliner Republik
vergisst bei aller
sanften Diplomatie die
Lehren, die die alte
Bundesrepublik aus der
Geschichte gezogen
hatte. Die Regierung
reckt sich mit
Wohlgefallen in ihrem
seit 1989/90 erweiterten
außenpolitischen
Handlungsspielraum und
fällt zurück ins
bekannte Muster der
nationalen Machtspiele
zwischen Staaten, die
doch längst auf das
Format von
Duodezfürstentümern
geschrumpft sind.
ZEIT:
Und was sollten diese
Duodezfürsten tun?
Habermas:
Sie fragen mich nach
meiner Wunschliste? Da
ich die abgestufte
Integration nach Lage
der Dinge für den einzig
möglichen Weg zu einer
handlungsfähigen
Europäischen Union
halte, bietet sich
Sarkozys Vorschlag zu
einer
Wirtschaftsregierung der
Euro-Zone als
Anknüpfungspunkt an. Das
bedeutet ja nicht, dass
man sich damit schon auf
die etatistischen
Hintergrundannahmen und
protektionistischen
Absichten ihres
Initiators einlassen
würde. Verfahren und
politische Ergebnisse
sind zweierlei. Der
»engeren Zusammenarbeit«
auf
wirtschaftspolitischem
Gebiet würde dann eine
in der Außenpolitik
folgen müssen. Und
beides könnte nicht
länger über die Köpfe
der Bevölkerungen hinweg
ausgekungelt werden.
ZEIT:
Das unterstützt ja nicht
einmal die SPD.
Habermas:
Die SPD-Führung
überlässt es dem
Christdemokraten Jürgen
Rüttgers, dem
»Arbeiterführer« an
Rhein und Ruhr, in diese
Richtung zu denken. In
ganz Europa stehen die
sozialdemokratischen
Parteien mit dem Rücken
zur Wand, weil sie bei
schrumpfenden Einsätzen
Nullsummenspiele
betreiben müssen. Warum
ergreifen sie nicht die
Chance, aus ihren
nationalstaatlichen
Käfigen auszubrechen und
sich auf europäischer
Ebene neue
Handlungsspielräume zu
erschließen? Auch
gegenüber einer
regressiven Konkurrenz
von links könnten sie
sich so profilieren. Was
immer heute »links« und
»rechts« bedeuten mag,
nur gemeinsam könnten
die Euro-Länder ein
weltpolitisches Gewicht
erlangen, das ihnen eine
vernünftige
Einflussnahme auf die
Agenda der
Weltwirtschaft erlaubt.
Sonst liefern sie sich
als Onkel Sams Pudel an
eine ebenso gefährliche
wie chaotische Weltlage
aus.
ZEIT:
Stichwort Onkel Sam –
Sie müssten doch von den
USA tief enttäuscht
sein. Für Sie waren die
USA das Zugpferd der
neuen Weltordnung.
Habermas:
Was bleibt uns anderes
übrig, als auf dieses
Zugpferd zu setzen? Die
USA werden aus der
jetzigen Doppelkrise
geschwächt hervorgehen.
Aber sie bleiben
einstweilen die liberale
Supermacht und befinden
sich in einer Lage, die
es ihnen nahelegt, das
neokonservative
Selbstverständnis des
paternalistischen
Weltbeglückers gründlich
zu revidieren. Der
weltweite Export der
eigenen Lebensform
entsprang dem falschen,
dem zentrierten
Universalismus alter
Reiche. Die Moderne
zehrt demgegenüber von
dem dezentrierten
Universalismus der
gleichen Achtung für
jeden. Es liegt im
eigenen Interesse der
USA, nicht nur ihre
kontraproduktive
Einstellung gegenüber
den Vereinten Nationen
aufzugeben, sondern sich
an die Spitze der
Reformbewegung zu
setzen. Historisch
gesehen, bietet das
Zusammentreffen von vier
Faktoren – Supermacht,
älteste Demokratie auf
Erden, Amtsantritt
eines, wie ich hoffe,
liberalen und visionären
Präsidenten sowie eine
politische Kultur, in
der normative
Orientierungen einen
bemerkenswerten
Resonanzboden finden –
eine unwahrscheinliche
Konstellation. Amerika
ist heute tief
verunsichert durch das
Scheitern des
unilateralistischen
Abenteuers, durch die
Selbstzerstörung des
Neoliberalismus und den
Missbrauch seines
exzeptionalistischen
Bewusstseins. Warum
sollte sich diese Nation
nicht, wie so oft,
wieder aufrappeln und
versuchen, die
konkurrierenden
Großmächte von heute –
die Weltmächte von
morgen – rechtzeitig in
eine internationale
Ordnung einzubinden, die
keine Supermacht mehr
nötig hat? Warum sollte
ein Präsident, der – aus
einer Schicksalswahl
hervorgegangen – im
Inneren nur noch einen
minimalen
Handlungsspielraum
vorfindet, nicht
wenigstens
außenpolitisch diese
vernünftige Chance,
diese Chance der
Vernunft ergreifen
wollen?
ZEIT:
Sogenannten
Realisten würden Sie
damit nur ein müdes
Lächeln entlocken.
Habermas:
Ich weiß, dass vieles
dagegen spricht. Der
neue amerikanische
Präsident müsste sich
gegen die von der Wall
Street abhängigen Eliten
in der eigenen Partei
durchsetzen; er müsste
wohl auch von den
naheliegenden Reflexen
eines neuen
Protektionismus
abgehalten werden. Und
die USA würden für eine
derart radikale
Kehrtwende den
freundschaftlichen
Antrieb eines loyalen,
aber selbstbewussten
Bündnispartners
brauchen. Einen im
kreativen Sinne
»bipolaren« Westen kann
es freilich nur geben,
wenn die EU lernt, nach
außen mit einer Stimme
zu sprechen und, tja,
das international
angesparte
Vertrauenskapital zu
nutzen, um selber
weitsichtig zu handeln.
Das »Ja, aber…« liegt
auf der Hand. In
Krisenzeiten braucht man
vielleicht eher eine
etwas weiter
ausgreifende Perspektive
als den Rat des
Mainstreams und das
Klein-Klein des bloßen
Durchwurschtelns.
Das Gespräch führte
Thomas Assheuer
Portrait
Jürgen
Habermas
Er ist der wohl
einflussreichste
deutsche Philosoph und
findet weltweit Gehör.
Wie kein Zweiter prägt
der 79-Jährige die
Debatten der Gegenwart.
Habermas studierte in
Göttingen, Zürich und
Bonn unter anderem
Philosophie, Geschichte,
Psychologie und
Ökonomie. Nach seiner
Promotion über
Schellings
»Weltalterphilosophie«
kam er als Assistent von
Theodor W. Adorno in
Kontakt mit der
Frankfurter Schule.
Erstes Aufsehen erregte
Habermas mit einem 1953
in der »FAZ«
publizierten Angriff auf
Martin Heidegger, dem er
die Rehabilitierung des
Nationalsozialismus
vorwarf. Ein breites
Echo löste auch seine
Habilitationsschrift
»Strukturwandel der
Öffentlichkeit«
aus. 1964 folgte
Habermas dem Philosophen
Max Horkheimer auf den
Frankfurter Lehrstuhl
und wurde zu einem
intellektuellen Anreger
der 68er-Bewegung, mit
deren radikalen
Vertretern er sich aber
rasch überwarf. Sein
Hauptwerk, die »Theorie
des kommunikativen
Handelns« (1981),beschreibt das
Ideal einer Demokratie,
deren kritischer Maßstab
das
verständigungsorientierte
Gespräch aller Bürger
ist. Die Öffentlichkeit,
das diskursive Herz
dieser Gesellschaft,
dürfe von keinem
Systemimperativ
»kolonisiert« werden –
auch nicht von der
Wirtschaft.
Der Nachdruck des
Interviews von Thomas
Assheuer und Jürgen
Habermas erfolgt durch
freundliche Genehmigung
von Professor Dr.
Habermas und Thomas
Brackvogel. (Quelle: DIE
ZEIT, 06.11.2008 Nr. 46)
Bei Habermas
hat die Bewußtwerdung über die unbegriffenen
Mächte zwar auch noch nicht stattgefunden,
aber eben dieses - sein Hauptwerk - kann und
will ich auch nicht besser formulieren:
Die
"Theorie des kommunikativen Handelns (1981)"
beschreibt das Ideal einer Demokratie,
deren kritischer Maßstab das
verständigungsorientierte Gespräch aller
Bürger ist. Die Öffentlichkeit, das
diskursive Herz dieser Gesellschaft, dürfe
von keinem Systemimperativ »kolonisiert«
werden – auch nicht von der Wirtschaft.
Niemand der
Akteure hat die Wahrheit für sich gepachtet
- wenn es denn eine Wahrheit geben soll -
und Bewußtwerdung hat noch bei keinem
stattgefunden.
Der Ursprung allen Übels liegt in der
Blockade der friedlichen Strömungen
gewaltfreier Stämme vor ca. 6000 Jahren -
in der Persönlichkeitsspaltung von Körper
und Geist - in dem Leben und Erleben des
Geistes in einer konstruierten und
simulierten Realität. Die Lösung ist die
Lösung der Blockade (Prof.Dr.Bernd Senf).
Körper und Geist in Einklang bringen und den
Geist aus seiner konstruierten Realität
herausholen zu einer realistischen
Wahrnehmung der Umwelt, das ist für mich der
Ansatz zur Bewußtwerdung und da liegt für
mich die Zukunft für ein friedliches
Miteinander der Menschheit.
Was das Böse -
das Übel - über die Jahrhunderte und
Jahrtausende
angerichtet hat, ist zur Zeit wunderbar auf
dem History Channel des ZDF
zu bewundern:
Ein andauerndes Morden und Schlachten des
Geld- und Hochadels
um Macht, Herrschaft und Reichtum!
Meines Erachtens sind Geld- und Hochadel in
ihrer Persönlichkeit genauso gestört wie
diejenigen, die für diese kranken
Persönlichkeiten in die Schlacht ziehen und
deren Fahne hochhalten. Das hat mit Frieden,
Freiheit und Demokratie absolut nichts zu
tun!
Club 2 "Von der Finanzkrise zur Weltkrise?"
Die Bewußtwerdung muß! allen Handlungen
voranstehen!
Das würde schon mal Links- und
Rechtsextremismus und Rassendiskriminierung
ad absurdum führen.
Dann sollten Kommunisten, Sozialisten,
Sozialdemokraten, Liberale und Konservative
mal auf die Forschungsergebnisse vom
Soziologen Dr. Paul Ray und der Psychologin
Sherry Anderson eingehen, die nach 20 Jahren
Forschung ihre Ergebnisse im
NEW POLITICAL COMPASS vorstellen.
Die zukünftigen Wählermehrheiten strömen aus
allen Richtungen in eine
neue umweltgerechte und demokratische
Richtung.
Die Links-Rechts-Debatte in Deutschland´s
Parlamenten, in den Parteien,
Gewerkschaften und bei den Wählern ist eine
höchst giftige und schädliche
Debatte für die Demokratie von
bildungsfernen und -resistenten Akteuren,
wenn sie in Zukunft so weitergeführt wird!
Der Geld- und Hochadel braucht die Linken
als Gegenpol,
sonst bricht das Feindbild zusammen und der
Kampf gegen die
staatstragende Mittelschicht wird
offensichtlich.
Die Sozialdemokraten, die Grünen und die
Linken sind entweder zu dumm zum Scheißen,
oder sie sind mit dem Geld- und Hochadel
verfilzt.
Ferner habe ich auf Bill Moyers "Doing
Democracy" und seinen
Master-Action-Plan (MAP) für Soziale
Bewegungen hingewiesen.
Deutsche Städte, Kommunen und Gemeinden
reformiert und entschuldet man nicht,
indem man auf der Straße einen Protest
gegen Monopolisten zum Ausdruck bringt
und dann beim Discounter einkaufen geht und
den eigenen Schlachter füttert.
Lokalität und Regionalität
setzt auf gesunde Ernährung mit saisonalen
Produkten von heimischen Bauern.
Das Gegenteil von Monokulturen,
Massentierhaltung und Agrarindustrie.
Lebenswerte Städte, Kommunen und Gemeinden
und blühende Landschaften
eines souveränen Volkes in einem autarken
Nationalstaat sind das Tafelsilber
einer mündigen Gesellschaft, die sich ihre
Regierung in freien, geheimen und
demokratischen Wahlen selber aussucht.
Das schließt übrigens ein Weltparlament
einer globalen Zivilgesellschaft
keineswegs aus. Aber auch ein Weltparlament
einer friedlichen, demokratischen,
globalen Zivilbevölkerung, die fairen Handel
miteinander treibt, braucht eine
Organisation, eine Struktur und eine
Kontrolle.
Es ist hinlänglich bekannt, daß die
Vereinten Nationen, der Weltsicherheitsrat
und sämtliche Unterorganisationen dringend
reformbedürftig sind.
Aber niemandem ist bewußt, daß unserem
Globus vom Geld- und Hochadel ein
autonomes, internationales, politisches
System (Niklas Luhmann) implantiert ist,
dass wie ein Krebsgeschwür mit seinen
tödlichen Metastasen die Vereinten Nationen,
den Weltsicherheitsrat, sämtliche
Unterorganisationen und sämtliche
Nationalstaaten
durchwuchert und jede freiheitliche,
demokratische Keimzelle zerstört.
Die bewusste und intelligente Manipulation der
organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist
ein wichtiges Element in der "demokratischen
Gesellschaft".
Wer die ungesehenen
Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine
unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht
unseres Landes ist.
Wir werden regiert, unser Verstand
geformt, unsere Geschmäcker gebildet, unsere Ideen
größtenteils von Männern suggeriert, von denen wir nie
gehört haben.
Dies ist ein logisches Ergebnis der Art
wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist.
Große Menschenzahlen müssen auf diese Weise kooperieren,
wenn sie in einer ausgeglichen funktionierenden
Gesellschaft zusammenleben sollen.
In beinahe jeder
Handlung unseres Lebens, ob in der Sphäre der Politik
oder bei Geschäften, in unserem sozialen Verhalten und
unserem ethischen Denken werden wir durch eine relativ
geringe Zahl an Personen dominiert, welche die mentalen
Prozesse und Verhaltensmuster der Massen verstehen.
Sie
sind es, die die Fäden ziehen, welche das öffentliche
Denken kontrollieren.
Im Zuge der Transformation, der Umgestaltung der Welt,
hat die Machtelite alle Hände voll zu tun, ihre eigene
Integrität zu organisieren. Einerseits darf sie sich an
den Orten der Wertschöpfung und Wertverteilung
nicht in die Karten sehen lassen und andererseits
muss sie an den öffentlichen Orten der
Herstellung und Sicherung eines
gesellschaftlichen Gesamtkonsens mit Hilfe der
Funktionseliten die Karten so mischen (lassen),
dass die Abhängigkeit des Machtkerns vom
gesellschaftlichen Gesamtarbeiter nicht
zurückverfolgt werden kann und vielmehr im
gesellschaftlichen Bewusstsein der umgekehrte
Eindruck der Abhängigkeit des Gesamtarbeiters
von denjenigen erzeugt wird, welche "die
Arbeitsplätze schaffen" oder "gute Taten tun".
Die
mächtigsten und reichsten Familien der Welt -
der Geld- und Hochadel - haben unserem blauen
Planeten ein autonomes, globales,
internationales politisches System implantiert,
das alle nationalen Grenzen, alle Erdteile, die
Religionen, die Kulturen und Rassen überwindet.
Sie beherrschen heute mit ihrem Geld, mit ihren
Medien und Militärs die Vereinten Nationen und
den Weltsicherheitsrat samt sämtlichen
Unterorganisationen.
Die
Letzten werden die Ersten sein:
Eine weitere Eskalation der globalen Finanz- und
Wirtschaftskrise und der globalen
Destabilisierungskriege der "Bündnispartner" wird dazu
führen, dass die neuen Medien als Erste die großen
Verlierer sein werden. Google muß nicht nur in China
Zugeständnisse machen.
Wenn das Internet - das WorldWideWeb - die "Life
Sciences", die "creative industries", die Kultur- und
Kreativwirtschaft ihre Aufgaben erfüllt haben, werden
sie "ausgeschaltet" nach dem Motto: Der Mohr hat seine
Schuldigkeit getan - der Mohr kann gehen.
Google, Facebook, Twitter, MySpace, etc., die großen
Provider und Internetbetreiber werden von dem
"internationalen, autonomen, politischen System (AIPSOL)"
genauso unterwandert und beherrscht wie die Vereinten
Nationen, der Weltsicherheitsrat und die
Nationalstaaten.
Die zunehmende Kontrolle des Internets, Internetsperren
und Einschränkungen sprechen schon heute eine deutliche
Sprache.
In der
Weltgesellschaft entstehen Nischen
der Rechtlosigkeit.
Dem Menschen bleibt dort nur das
nackte Leben.
Überall, auch am Wohlstandsgürtel
des weltweiten Westens, wuchern
rechtliche Dunkelzonen, in denen der
Übergang zwischen legal und illegal,
Rechtlosigkeit und Unrecht gleitend
ist. In einigen Niemandsländern
haben Menschen nicht einmal das
Recht, Rechte zu haben. Rechtsfreie
Räume entstehen vor allem in
Gebieten, wo der Terror des Krieges
und der Horror des Friedens nicht
mehr zu unterscheiden sind: in den
no go areas Afrikas, in all
den innerstaatlichen und
zwischenstaatlichen Dauerkonflikten,
an den Rändern zerfallender
Nationen. Das
liegt an der
Destabilisierungspolitik des
internationalen Geld- und Hochadels.
Ob in den unklaren Zwischenzonen
jemand als Mensch oder als
überflüssiger Körper behandelt wird,
hängt oft nur am seidenen Faden des
Rechts und seiner Durchsetzung. Die
Frage aber, welches Recht zur
Anwendung kommt, unterliegt der
Willkür des lokalen Souveräns. Im
Zweifelsfall ist eine Kiste mit
chinesischen Bohnen durch die "Lex
Mercatoria", das eng geknüpfte Netz
internationaler Rechtsbeziehungen,
besser geschützt als ein Schiff mit
Flüchtlingen, das aus den schwarzen
Löchern der Weltgesellschaft
auftaucht und "nach Fremdeinwirkung"
auf hoher See für immer
verschwindet. Während Warenströme
weltweit von einem faszinierenden
Regelwerk kanalisiert sind, bleibt
Menschen in den Indifferenzzonen des
Rechts nur das "nackte Leben".
Warum die Rechtlosigkeit in die
alten Räume des Rechts zurückkehrt,
warum immer öfter das "bloße Leben"
der "nackten Macht" gegenübersteht,
dafür wird in diesen Tagen oft das
Werk des italienischen Philosophen
Giorgio Agamben bemüht. Sein 1995
veröffentlichtes Werk Homo Sacer,
das Ende Februar 2002 endlich in
deutscher Übersetzung im Suhrkamp
Verlag erschien, ist in der Tat ein
Schlüsselwerk für die Kritik an der
Ambivalenz des Rechts. Agambens
provozierende These lautet, dass die
Rückkehr der Rechtlosen keine
Erscheinung der Gegenwart ist.
Schon in der
Geburtsstunde des Rechts, in der
Antike, sei eine Unterscheidung
eingeführt worden, die noch heute
ihre verhängnisvolle Wirkung
entfalte: die Unterscheidung
zwischen dem bloßen Dasein und der
politischen Existenz, die
Unterscheidung zwischen dem
rechtlosen Kreatürlichen (zoe)
und dem guten Leben (bios).
Schon die Antike hat die Person in
die Gemeinschaft eingeschlossen,
indem sie, wiederum in einem
politischen Setzungsakt, ihren
Körper als "bloßes Leben"
exkommuniziert. Weil der politische
Einschluss in die Gemeinschaft auf
einem simultanen Ausschluss beruht,
ist die Rechtlosigkeit in das Recht
schon eingebaut.
Agambens Pointe liegt auf der Hand.
In dem Augenblick, wo das Recht
ausgesetzt und von der Person
"abgezogen" wird, bleibt der bloße
Körper zurück. Er ist ein Nichts,
eine alphabetisierte Biomasse, die
einen Menschen zu nennen die Mühe
nicht lohnt.
Heute, in den rechtsfreien
Zwischenräumen der globalisierten
Moderne, kehrt die antike Figur
zurück. Der Flüchtling, der von
Schleppern an den Strand geworfen
wird oder im Tiefkühlcontainer
erstickt, ist der Wiedergänger des
Homo sacer; jener infame und
verworfene Mensch, der eine Gesetz-
und Rechtlosigkeit verkörpert, die
im Herzen des "abendländischen
Rechts" immer schon angelegt war.
Folgt man Agambens suggestiven
Beschreibungen, dann ist der Abgrund
zwischen Recht und Gerechtigkeit
nicht zu überbrücken. Alles Recht
scheint unendlich weit von jeder
Gerechtigkeit entfernt, wobei dann
und wann aus dunklem Grund eine
mysteriöse Gewalt aufsteigt, die
sich über den Erdball wälzt und
Ströme von Flüchtlingen hinterlässt,
unlawful combatants,
Gestrandete und Rechtlose - das
Treibgut der globalisierten Moderne.
Und doch, es gibt nicht nur die
Exklusion durch das Recht. So
bestechend Agambens Analysen auch
sind, so dürfen sie nicht den Blick
auf die sozialen Verwerfungen der
Weltgesellschaft trüben - auf eine
Ungerechtigkeit, die selbst
hartgesottene Systemtheoretiker aus
der Fassung bringt.
Dieser Weltgesellschaft hat der
Soziologe Niklas Luhmann schon vor
Jahren eine unerbittliche Diagnose
gestellt. Luhmann zeigte, dass
unsere alten Unterscheidungen
zwischen moderner und vormoderner
Welt in die Irre führen. Denn auf
der ganzen Welt, zwischen Kapstadt
und Rio, Vancouver und Wladiwostok
habe sich das eine Gesetz
des Geld- und Hochadels, die
eine funktionale Logik
durchgesetzt und dabei die alten
Hauswirtschaften aufgelöst. Überall
sei ein dichtes Netz aus
gegeneinander differenzierten
"Funktionssystemen" ausgespannt -
Arbeits- und Bildungs-, Wirtschafts-
und Rechts-, Gesundheits- und
Kultursystem.
(siehe Academy und Institut for
International Cultural Diplomacy in
Berlin - A World Without Walls -
Interdependence Day, vom
10.-12.September 2010 in Berlin)
Luhmanns Schlussfolgerung ist
dramatisch. Während fast die gesamte
Weltbevölkerung auf Gedeih und
Verderb von den Funktionssystemen
abhängig ist, vor allem von den
individuellen Chancen auf dem Markt,
wird einem großen Teil der Zutritt
zu einzelnen Systemen verweigert -
zu den politischen, rechtlichen und
ökonomischen Errungenschaften der
Moderne. Wer nur aus einem System,
etwa der Schulbildung, ausgegrenzt
wird, dem bleiben auch alle anderen
verschlossen. "Keine Arbeit, kein
Geld, kein Ausweis, keine stabilen
Intimbeziehungen, kein Zugang zu
Verträgen und gerichtlichem
Rechtsschutz, keine Möglichkeit,
Wahlkampagnen von
Karnevalsveranstaltungen zu
unterscheiden, Analphabetentum und
medizinische wie auch
ernährungsmäßige Unterversorgung."
Wenn
es so ist, wenn die ganze Welt dem
einen Gesetz des Geld- und Hochadels
unterliegt, dann sind die
Dunkelzonen von Armut und
Rechtlosigkeit nicht das Außen der
Weltgesellschaft, sondern deren
innere Peripherie. Dann kommen die
Flüchtlinge nicht als Fremde aus
einer anderen Welt, sondern aus den
äußeren Innenräumen einer
durchgesetzten
Weltgesellschaft, die Menschen in
ihr System einschließt - und
zugleich einen großen Teil wieder
ausgrenzt. Das ist derselbe
Mechanismus, den Agamben für das
Recht aufzeigt: Während im
"Inklusionsbereich Menschen als
Personen zählen, scheint es im
Exklusionsbereich nur auf ihre
Körper anzukommen." Aus der kalten
Sicht der kapitalistischen
Weltgesellschaft handelt es sich um
reine "Surplus-Populationen" (Hauke
Brunkhorst), um funktional
überflüssige, entbehrliche Subjekte.
Dass diese Verwerfungen von neuen
Deregulierungsoffensiven aus der
Welt geschafft werden, dass mit der
ökonomischen Integration auch die
rechtliche zu bewerkstelligen ist -
dies glauben ja nicht einmal die
Spitzenfunktionäre des
Weltwirtschaftsgipfels. Doch selbst
wenn es gelänge, durch ein
Weltbürgerrecht die rechtsfreien
Räume zu "schließen", so bliebe
immer noch das Problem dramatisch
wachsender Ungleichheit und sozialer
Auflösung.
Für beides sind die Akteure nicht in
Sicht.
Fast scheint es, als sei mit den
neuen Formen entstaatlichter Kriege
("Krieg gegen den internationalen
Terrorismus") gleich beides,
sowohl ein kosmopolitischer
Rechtszustand wie auch eine
gerechtere Ökonomie, wieder in weite
Ferne gerückt. Dabei hätte eine
Weltgesellschaft, die ihren Namen
verdient, das zu leisten, was dem
Nationalstaat erst nach
jahrhundertelangen blutigen Kämpfen
gelungen ist. Sie müsste in ihren
rechtsfreien Räumen den
"Naturzustand" beenden und
transnationale Institutionen
schaffen, die nicht nur als
Papiertiger ihr Dasein fristen und
die einflussreich genug sind, um das
unbeschreibliche
Gerechtigkeitsgefälle der
Weltwirtschaftsordnung zu mindern.
Dazu dürfen aber souveräne
demokratische Nationalstaaten, deren
Bürger sich ihre freiheitlichen,
demokratischen Rechte in
jahrhundertelangen , blutigen
Kämpfen errungen haben, nicht
abgeschafft werden sondern sie
müssen gestärkt werden und sich
gegenseitig befruchten.
Soviel zum Medienmord an Ex-Bundespräsident
Horst Köhler.
Für mich hat er seinen Optimismus verloren
und er hatte keine Lust mehr, sich vom
bildungsfernen Pöbel und von Lobbyisten,
Demagogen und Intriganten anmachen zu
lassen.
Alle Nationalstaaten der Welt haben dasselbe
Problem:
Freiheitliche, friedliche Demokratie braucht
Leadership!
Stell mal eine qualifizierte
Demokratie-Elite für Deutschland auf,
bevor Du Dir in Deiner gespaltenen
Persönlichkeit - in Deiner konstruierten
Realität - Gedanken zu einem demokratischen
Weltparlament der Zivilgesellschaft machst!
Beende erst einmal die desaströse
Merkel-Westerwelle Regierung!
In den deutschen Parlamenten, in den
Parteien, Gewerkschaften und
Nichtregierungsorganisationen sitzen
reihenweise bildungsferne Dilettanten,
die als vermeintliche Führungseliten
lediglich nachplappern können,
was ihnen vorgegeben wird.
Aber dafür werden sie vom Geld- und Hochadel
fürstlich belohnt
und die Parlamentarier dürfen ihre Gehälter
selber festlegen.