World Public Opinion
D
IE OEFFENTLICHE MEINUNG

"In der öffentlichen Meinung ist alles Falsche und Wahre,
aber das Wahre in ihr zu finden, ist der erste Schritt zum Erfolg."

Bitte weitersagen!


Horst Köhler - Medienmord am Bundespräsidenten

Die Mittelschicht - die mittleren Einkommen -
im tiefen gesamtgesellschaftlichen Koma
 

Ich habe mir hier nur mal diese eine Rede von Horst Köhler vorgenommen, um vorzustellen und deutlich zu machen warum Köhler wohl einigen Leuten ein Dorn im Auge gewesen sein mag. Seehofer spricht von einem tiefen Umbruch auf der ganzen Welt, andere sprechen von transnationaler Vergesellschaftung und wieder andere nennen es Transformation.
Gemeint ist immer dasselbe: Abschaffung souveräner Nationalstaaten und Abschaffung der Demokratie und dafür Globalisierung, Privatisierung und Kommerzialisierung der ganzen Welt unter Führung des Kapitals des Geld- und Hochadels. Liz Mohn vom Bertelsmann-Verlag ist gerade mit dem großen Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste um die Abschaffung des souveränen Nationalstaates Deutschland, die Abschaffung der sozialen Marktwirtschaft und die Vernichtung der Mittelschicht - der mittleren Einkommen - vom Arbeiterverräter Jürgen Rüttgers ausgezeichnet worden.

Es ist mir ein Rätsel

wie es angehen kann, daß ein tiefgreifender Umbruch in Deutschland stattfindet, ohne daß der Bürger davon Notiz nimmt oder sich gar an der Debatte beteiligt. Wie desinformiert die Bundesbürger sind, zeigt sich bei jeder Meinungs-umfrage. Die Debatte um den Umbruch, die Umstrukturierung, die transnationale Vergesellschaftung, die Transformation gehört in die Mitte der Gesellschaft, gehört in die staatstragende Mittelschicht - zu den mittleren Einkommen.

Ihnen wird seit 40 Jahren permanent der Boden unter den Füßen weggezogen!
Sie merken es nicht und sie wissen alles besser!
 


 

 

Horst Köhler

Die Herausforderungen der Globalisierung und die Rolle des IWF

Vortrag von Dr. Horst Köhler
Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds
anlässlich der Jahresversammlung der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft an der Humboldt Universität zu Berlin
Berlin, 15. Mai 2003
 

1. Es ist mir eine große Freude, heute zu Ihnen sprechen zu können und ich möchte der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft an der Humboldt Universität zu Berlin und Dr. Manfred Gentz, für die Einladung herzlich danken. Meinen Dank auch an Frau Prof. Dr. Plinke für die ausgezeichnete Organisation. Erlauben Sie mir, Sie zu Ihrer Initiative, Theorie und Praxis in einem Universitätsrahmen zusammenzuführen, zu beglückwünschen.

Theorie und Praxis zusammenführen!
Globalisierung in Theorie und Praxis: Ich glaube, hier weicht die Praxis erheblich von Köhler´s Theorie ab.

Was ist Globalisierung?

2. Eine Google-Suche zum Stichwort Globalisierung ergibt mehr als 1,6 Millionen Treffer — Beleg, daß es sowohl an Interesse wie an Definitionen nicht mangelt. Aus meiner Perspektive als Ökonom bedeutet Globalisierung einen Prozeß zunehmender internationaler Arbeitsteilung und damit Verflechtung nationaler Volkswirtschaften durch Handel mit Waren und Dienstleistungen, grenzüberschreitende Unternehmensinvestitionen und Finanzströme. Diese Integration wird begünstigt durch technologischen Fortschritt, vor allem im Transport- und Kommunikationswesen. Globalisierung hat aber mehr als nur eine wirtschaftliche Komponente: Globalisierung bedeutet auch den freien Austausch von Gedanken und Ideen und die größere Mobilität der Menschen. Dies wird uns nicht einfach aufgezwungen, sondern ist das Ergebnis von Veränderungskräften, die tief in der menschlichen Natur verwurzelt sind: Der Drang nach Freiheit und einem besseren Leben, nach neuen Entdeckungen und nach einer Erweiterung des Horizonts.
Verflechtung nationaler Volkswirtschaften heißt, daß es nationalstaatliche Volkswirtschaften gibt und nicht daß aus 27 Nationalstaaten ein Staat wird mit einer Währung und einer Wirtschaft.
VOLKSWIRTSCHAFTEN treiben Handel mit Waren und Dienstleistungen (nicht Firmen).
Politikinvestitionen sind Entwicklungshilfen für staatliche Volkswirtschaften -Unternehmensinvestitionen sind Entwicklungs-bremsen für staatliche Volkswirtschaften.
Konzernen geht es um globale Marktbeherrschung. Globale Herrschaft kann nicht Sinn und Zweck einer Volkswirtschaft sein.

Ein kurzer historischer Überblick

3. Globalisierung ist kein neues Phänomen. Bereits in der Zeit vor Google brachen die Menschen zu immer neuen Ufern auf. Die venezianische Republik leistete bereits im 11. Jahrhundert durch Handel einen Beitrag zur Globalisierung. Die Zeit der portugiesischen, spanischen und niederländischen Entdeckungsreisen verlieh der weltweiten Integration weiteren Auftrieb durch rasche Fortschritte in der Seefahrtstechnik. Die Erfindung der Elektrizität, die Verbreitung des Eisenbahnnetzes, und der Goldstandard bewirkten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1914 einen enormen Zuwachs in der Handels- und Finanzintegration. Aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, daß diese große Welle weltwirtschaftlicher Integration in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unterbrochen wurde durch eine Phase aggressiven Nationalismus und Protektionismus nach dem 1. Weltkrieg. Am Ende dieser Phase standen die große Depression der dreißiger Jahre und die Katastrophe eines weiteren Weltkriegs.

Die Entdeckung Amerikas passierte im Zuge der Globalisierung. Die Ausrottung von 59 Millionen Indianern ging nicht von einer freiheitlichen, friedlichen, demokratischen Volkswirtschaft aus.

Chancen und Risiken der Globalisierung

4. Eine nüchterne Betrachtung der letzten 50 Jahre belegt eindrucksvoll die ökonomischen Chancen der Globalisierung. In den Industrieländern hat sich das reale Pro-Kopf-BSP Einkommen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr als verdreifacht. In einigen Entwicklungsländern war die Steigerung noch dramatischer. In Südkorea zum Beispiel stieg das Pro-Kopf-Einkommen um mehr als das Zehnfache — gemessen in Preisen von heute. Und mit Wirtschaftswachstum kam z. B. auch medizinischer Fortschritt: die Lebenserwartung stieg um mehr als zehn Jahre in Industrieländern, und im Durchschnitt um mehr als 20 Jahre in Entwicklungsländern. Einige Entwicklungsländer, die den Weg der weltwirtschaftlichen Integration eingeschlagen haben, wie China, Indien, Malaysia, Brasilien, Mexiko, Südkorea, und Thailand, exportieren nicht mehr nur Rohstoffe, sondern auch Fertigprodukte und Dienstleistungen. Für Indien, beispielsweise, macht Informationstechnologie heute fast 40 Prozent der Exporterlöse aus.

Die Länder, die den Weg der weltwirtschaftlichen Integration eingeschlagen haben, sind nicht auf dem Weg zu freiheitlichen, friedlichen, demokrat-ischen Volkswirtschaften. Sie sind auf die Einfuhr von Fertigprodukten aus rohstoffarmen Industrie-ländern wie Deutschland nicht mehr angewiesen.
Für Millionen von deutschen Fabrikarbeitern gibt es langsfristig keine Arbeitsplätze mehr.

5. Aber Globalisierung hat auch seine Schattenseiten. Im wirtschaftlichen Bereich sehe ich vor allem drei große Herausforderungen:

  • Erstens, profitiert haben von der Integration der Volkswirtschaften bislang vor allem die Industrieländer und in den letzten 10 bis 20 Jahren auch eine Gruppe von Entwicklungsländern, in denen immerhin über 3 Milliarden Menschen leben. Wahr ist aber auch: fast genauso viele Menschen müssen heute, nach einer Abgrenzung der Weltbank, mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen. Die Bekämpfung dieser Armut ist die größte Herausforderung für Stabilität und Frieden im 21. Jahrhundert.
  • Zweitens, die Globalisierung der Finanzmärkte ging zum Teil mit verheerenden Finanzkrisen in Schwellenländern einher. Die Ursachen dieser Krisen sind komplex. Gemeinsames Merkmal war aber häufig Überverschuldung und massive Richtungsumschwünge in Kapitalflüssen die zu schweren Rezessionen führten, mit starkem Anstieg der Arbeitslosigkeit.
  • Drittens, Globalisierung setzt die Umwelt unter Druck. Nationale Umweltschutzpolitik allein reicht nicht mehr aus, diesem Druck entgegenzutreten. In der Sprache eines Ökonomen: Lebenswerte Umwelt ist zu einem globalen öffentlichen Gut geworden, für das man etwas tun muß.

Das sind nur Herausforderungen im wirtschaft-lichen Bereich. Es ist nicht näher definiert, ob im volkswirtschaftlichen Bereich oder im privatwirt-schaftlichen Bereich.
Volkswirtschaftlich, demokratisch, in sozialen Marktwirtschaften mit sozialen Absicherungen,
gelenkt von fähigen Politiker, die von mündigen Staatsbürgern in demokratischen, freien, geheimen Wahlen gewählt sind.
Privatwirtschaftlich, undemokratisch, durch Verschuldungspolitik des Geld- und Hochadels,
ohne soziale Marktwirtschaften, ohne soziale Absicherung, ohne fähige, demokratisch gewählte Politiker, ohne mündige Staatsbürger.
Profitiert haben, wie heute deutlich ist, keineswegs die Industrieländer sondern internationale Konzerne und Finanzmärkte.
Monopolisten, Oligarchen, Geld- und Hochadel liegt rein gar nichts an einer gerechten Vermögensverteilung innerhalb nationalstaatlicher, demokratischer Volkswirtschaften.
 
Wer bestimmt über das globale öffentliche Gut:
Lebenswerte Umwelt - Wohlstand für Alle?
Billionäre, Milliardäre, Millionäre, Geld- und Hochadel???

6. Für sich genommen ist Globalisierung also weder gut noch schlecht. Worauf es ankommt, ist was wir daraus machen — wie es uns gelingt, die Chancen zu nutzen und gleichzeitig die Risiken zu begrenzen. Ich denke, wir brauchen zur Bekämpfung der Armut in der Welt nicht weniger sondern eher mehr Globalisierung — vor allem aber eine bessere Globalisierung als bisher. D.h. Globalisierung bedarf der politischen Gestaltung. Die kritische Diskussion über Globalisierung ist zu begrüßen und sollte uns helfen, ein tragfähiges Konzept für eine bessere Globalisierung zu finden.

WIR - we, the people - WER IST DAS???
KÖHLER SAGT EINDEUTIG:
Globalisierung bedarf der POLITISCHEN Gestaltung! Er meint demokratische und nationalstaatliche Gestaltung von fähigen Politikern, die von mündigen Staatsbürgern in demokratischen Wahlen in ihre Ämter gewählt wurden. Das wäre die bessere Globalisierung und nicht eine Weltherrschaft des Geld- und Hochadels.

7. Auf der letzten Jahrestagung des IWF habe ich fünf Wegweiser formuliert, die den IWF bei seinem Beitrag für eine bessere Globalisierung leiten:

  • Erstens: die Fragen der internationalen Interdependenz müssen in den nationalen Politikagenden einen größeren Stellenwert erhalten. Die wachsende gegenseitige Abhängigkeit verlangt, daß jedes Land die Folgen seines Handelns für andere besser berücksichtigen muß. Das erfordert eine engere internationale Zusammenarbeit und Institutionen, die sich um globale Probleme direkt kümmern;
    Interdependenz auf der nationalstaatlichen Politikagenda! - Nicht wirtschaftliche Interdependenzen auf der Wirtschaftsagenda der Globalisten und Privatisierer, des Geld- und Hochadels.
     
  • Zweitens, Globalisierung verlangt dringend internationale Solidarität. Solidarität ist aber nicht nur eine ethisch-moralische Pflicht. Ich sehe in der aktiven Bekämpfung der Armut in der Welt eine Investition in Stabilität und Frieden für die gesamte Menschheit.
    Solidarität des Geld- und Hochadels mit der Mittelschicht - geschweige mit der Arbeiterklasse oder dem Sozialschrott - gibt es weder international noch national. Der Geld- und Hochadel gefährdet mit seiner Gier die Stabilität der Welt, den Frieden und das Klima der gesamten Menschheit. Geld- und Hochadel handeln weder ethisch noch moralisch. Aber sie schreiben es sich auf ihre Fahnen! (Deutsche Vermögensakademie: Wie macht man "gutes Geld"? - Indem man seinen Egoismus versteckt!
    Dr. Heiner Geissler als Schirmherr des Symposiums und als "Maulwurf" bei "Attack",
    den "Globalisierungsgegnern".
    Daniel Goeudevert´s Buch - "Das Seerosenprinzip, wie unsere Gier uns ruiniert." (Die öffentlich dargestellte Gier, man muß sie verstecken und den "Gutmenschen" heraushängen! So läßt sich mehr Geld verdienen - mehr Profit machen!


    Das Seerosenprinzip -
    Wie unsere Gier uns ruiniert!




    Moral und Ethik werden also eingeblendet -
    Gier und Egoismus werden ausgeblendet.
     
  • Drittens, internationale Zusammenarbeit und Solidarität dürfen aber nationale Eigenverantwortung nicht schwächen oder gar ersetzen. Letztlich kommt es immer auch — und vor allem — auf gute Regierungsführung, gesunde Institutionen und Rechtssicherheit an.
    Nationalstaatliche Eigenverantwortung der Politik darf durch internationale Zusammen-arbeit und Solidarität der privaten Wirtschaft
    weder geschwächt oder gar ersetzt werden!
    Es kommt auf gute Regierungsführung von demokratisch gewählten Politikern an, gesunde staatliche Institutstionen und Rechtssicherheit durch Judikative, Exekutive und Legislative eines Volkssouveräns im Sinne des Grundgesetzes!
  • Viertens, die Marktwirtschaft hat sich historisch als überlegener ökonomischer Koordinierungsmechanismus erwiesen. Aber der Markt allein richtet nicht alles zum Guten. Wir brauchen international anerkannte Regeln für die Beteiligung an der Globalisierung.
    Soziale Marktwirtschaft demokratischer, autarker Volkswirtschaften mit eigenen sozialen Absicherungen und stabilen Währungen wäre der überlegene ökonomische Koordinierungsmechanismus -
    Demokratische Politik bestimmt die Regeln für die Beteiligung an der Globalisierung und nicht der internationale Geld- und Hochadel!

     
  • Und fünftens sollten wir die Verschiedenartigkeit der Erfahrungen und Kulturen als Reichtum dieses Planeten betrachten. Die Arbeit an einem Ordnungskonzept für die globale Ökonomie sollte deshalb kein Versuch sein, alle Länder in ein uniformes, one-size-fits-all Wirtschafts- oder Kulturmodell zu zwängen.
    Dies ist eine deutliche und klare Absage an die Umstrukturierung der Welt in Sinne des Geld- und Hochadels. Das ist eine Absage an die Globalisierer, Privatisierer und Kommerzialisierer. Dies ist eine Absage an Bertelsmann und Liz Mohn, das ist eine Absage an die Lügen-Mainstream-Medien von Burda, Springer, etc. Dies ist eine Absage an die "Academy und das Institut for International Cultural Deplomacy" in Berlin. Dies ist eine Absage an Dr. Benjamin Barber und seine Rockefeller und Hewlett finanzierte CivWorld-Organisation samt "Demos" und allem was daran hängt. Das ist eine klare Absage an die "Interdependence Day"-Ver-anstaltung in Berlin vom 10. - 12. September in Berlin. Dies ist eine klare und deutliche Absage an die Merkel-Regierung, an die FDP, CDU und CSU Politik und auch an die den Parteien nahe stehenden Stiftungen, wie z.B. die Konrad-Adenauer-Stiftung. Dies ist eine klare Absage an den Papst und alle, die der Meinung sind wir bräuchten nur eine Weltregierung, eine Weltreligion, eine Weltwährung, eine Weltkultur. Eine klare Absage an Nicole Essiger-Munk und den "Hamburger Appell" mit 241 Wirtschafts-professoren. Dies ist eine klare Absage an Dr. Rupert Graf Strachwitz, der Gesellschaft und Kommunikation nur noch global sieht und den deutschen Nationalstaat schon ad acta gelegt hat.
    Dies ist eine ganz klare Absage an diejenigen, die meinen die Wirtschaft könne alles besser als die Politik. Dies ist eine klare Absage an diejenigen, die an der Abschaffung souveräner Nationalstaaten arbeiten. Dies ist eine klare und deutliche Absage an Politiker, die sich von der Wirtschaft die Gesetze für unser Volkssouverän schreiben lassen.
***

Die Internationale Finanzarchitektur und die Rolle des IWF

8. Die Lehre aus den Finanzkrisen der vergangenen Jahre ist eindeutig, daß die Krisenprävention im Zentrum des Mandats des IWF stehen muß. Der Hauptansatzpunkt hierfür ist die bilaterale und multilaterale Surveillance-Aufgabe des IWF, d.h. die regelmäßige Prüfung und Beurteilung der Wirtschaftsentwicklung und der Wirtschaftspolitiken auf nationaler und internationaler Ebene. Wir sind dabei, dieses Instrument zu schärfen, in dem wir uns mehr denn je auf die Quellen von Krisenanfälligkeit und auf die Stärkung von Krisenresistenz konzentrieren:
Köhler spricht von bilateral und multilateral - nicht von unilateral! Seit er beim IWF weg ist scheint Krisenprävention nicht mehr im Zentrum des Mandats gestanden zu haben.

  • Wir raten unseren Mitgliedern verstärkt Schock-Absorber in ihre Wirtschaftspolitik einzubauen. Die Ansatzpunkte hierfür sind z.B. eine Fiskalpolitik, die auch Spielraum für schlechte Zeiten lässt; effiziente und diversifizierte Finanzsektoren; und nicht zuletzt auch effektivere soziale Sicherungsnetze. Die Erfahrung zeigt auch, daß flexible Wechselkurse sich besonders gut als ,,Puffer" eignen. Sie begünstigen die graduelle Anpassung an sich verändernde ökonomischen Bedingungen.
    Wechselkurse bedingen unterschiedliche, nationalstaatliche Währungen und keine Weltwährung! - Auch keinen Euro!
  • Nach der Asienkrise konzentrieren wir uns vor allem auch auf die Finanzsektoren unserer Mitgliedsländern. Zusammen mit der Weltbank erstellen wir im Rahmen unseres Financial Sector Assessment Programs Stärken/Schwächenprofile. So haben wir inzwischen etwa 50 umfassende Länderanalysen abgeschlossen; für Deutschland ist diese Arbeit gerade in Gange.
  • Vor allem durch die Entwicklung der Kapitalmärkte sieht die Weltwirtschaft heute dramatisch anders aus als vor etwa 20 Jahren. Private Kapitalströme haben öffentliche Finanzmittel nach Volumen und Differenzierung weit überholt. Deshalb war es einer meiner ersten Entscheidungen als Managing Director, im IWF eine besondere Abteilung zur besseren Analyse und Beurteilung der internationalen Kapitalmärkte einzurichten. Dazu gehört auch ein regelmäßiger Dialog mit dem privaten Sektor. Dr. Gentz ist ein Mitglied unserer International Capital Markets Consultative Group. Und in dem neuen Global Financial Stability Report analysieren wir jetzt halbjährlich die Risiken im internationalen Finanzsystem. Dort haben wir z.B. die aktuellen Schwächen in den Unternehmensbilanzen als Risiko für den wirtschaftlichen Aufschwung identifiziert. Auch haben wir schon früh zu mehr Transparenz bei Finanzderivaten geraten, damit Marktteilnehmer die damit verbundene Risiken besser einschätzen können.
    Damit hat Köhler sich beim Geld- und Hochadel sicherlich keine Freunde gemacht.
  • Freier Kapitalverkehr öffnet Entwicklungs- und Schwellenländern Zugang zu Technologie, Investition, und auch Know-how für Finanzierung — wichtige Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. Deshalb bleibt es für mich ein richtiges und wichtiges Ziel, die Kapitalverkehrsliberalisierung weiter voran zu bringen. Doch spätestens seit der Asienkrise wissen wir auch, daß die Öffnung eines Landes für freien Kapitalverkehr zeitlich und inhaltlich sorgfältig mit dem Aufbau gesunder Institutionen — einschließlich der notwendigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Fähigkeiten eines Landes — abgestimmt sein muss.
    Köhler spricht von der Öffnung eines Landes - eines autarken Nationalstaates mit einer eigenen Währung und er spricht von gesunden politischen Institutionen und den regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Fähigkeiten eines souveränen Nationalstaates.

9. Die Krisenprävention wird vor allem auch durch Transparenz von ökonomischen Daten und Politik gestärkt. Hier hat es seit den Finanzkrisen Ende der 90er Jahre geradezu eine Revolution gegeben. Dies gilt nicht zuletzt für Datentransparenz. Dem Special Data Dissemination Standard des IWF haben sich inzwischen 53 Mitgliedsländer angeschlossen, darunter auch die meisten großen Schwellenländern wie Brasilien, Indien, und Mexiko. Dieser Standard legt einheitliche Normen fest für die Veröffentlichung von wichtigen volkswirtschaftlichen Daten. Private Markteilnehmer haben uns bestätigt, daß die IWF-Norm, beispielsweise für die Veröffentlichung von Information über Devisenreserven, zunehmend für die Bewertung von Länderrisiken verwendet wird. Generell gilt im übrigen auch, daß mehr Transparenz eine Speerspitze gegen Korruption ist.
Köhler spricht immer von einem IWF und einer Weltbank, die nicht vom Geld- und Hochadel sondern von der Politik bestimmt sind. Bei ihm ist der Bock noch nicht zum Gärtner gemacht.

10. Transparenz ist aber mit Recht auch eine Forderung an den IWF selbst. Er hat sich dieser Forderung auch gestellt. Inzwischen gilt das Prinzip, daß fast alle Länder- und politikrelevanten Dokumente veröffentlicht werden, es sei denn ein Mitgliedsland widerspricht dem ausdrücklich oder es enthält marktsensitive Daten. Sogar die Vorausschau auf unser sechsmonatiges Arbeitsprogramm wird jetzt auf der IWF Webseite veröffentlicht. Darüber hinaus wurde ein unabhängiges Büro für die Evaluierung der Arbeit des IWF eingerichtet. Dieses Büro hat gerade seinen zweiten Bericht vorgelegt zur Rolle des IWF in den Finanzkrisen in Indonesien, Südkorea, und Brasilien in den späten 90er Jahren. Ich freue mich auf diese Diskussion, weil sie vermutlich u.a. zeigen wird, daß der IWF bereits viele Lehren aus vergangenen Finanzkrisen gezogen hat.
 IWF-Berichte in deutscher Sprache von einem politisch kontrollierten IWF zur europäischen Finanz- und Wirtschaftkrise wird es wohl kaum geben.

11. Wir wissen aber auch, daß noch viel zu tun ist. Dies gilt vor allem für die Arbeit an anerkannten Spielregeln für die globale Wirtschaft. Im Rahmen unserer Surveillance-Aufgabe werben wir bei unseren Mitgliedsländern um die Einführung von Standards und Codes auf die sich die internationale Gemeinschaft geeinigt hat. Sie reichen von vergleichbaren Statistiken wie dem Special Data Dissemination Standard des IWF, Transparenzregeln für Haushalts- und Geldpolitik, Eigenkapitalvorschriften für Banken, Aufsichtsnormen für das Wertpapier- und Versicherungsgeschäft, bis zu einer Methodologie zur Bekämpfung von Geldwäsche und der Finanzierung von Terrorismus. Die breite Implementierung dieser Initiativen wird Zeit brauchen. Die jeweiligen Standards und Codes müssen auch in angemessenen Zeitabständen immer wieder auf ihre Relevanz überprüft werden. Ich habe aber keine Zweifel, daß diese Initiativen zusammen mit der systematischen Überprüfung der Finanzsektoren unserer Mitgliedsländern bereits wesentlich zu einer Stärkung des internationalen Finanzsystems beigetragen haben.
 Surveillance- Aufgabe ist politische Aufsicht und Kontrolle. Der Mangel daran - gegen Köhler - ist heute mit ursächlich für die instabile Lage auf den internationalen Finanzmärkten. Seitdem Köhler da weg ist, wurden den Spekulanten des Geld- und Hochadels Tor und Tür geöffnet für ihre virtuellen Geldschiebereien. Sämtliche Mitglieder der Vereinten Nationen sind den Verbrechern des
- wie ich es sage - Autonomen Internationalen Politischen Systems of Leadership (AIPSOL) aus-geliefert. Sie wissen es nur nicht oder sie wollen es nicht wahrhaben.

12. Auch mit den besten Anstrengungen zur Krisenprävention wird es aber nicht möglich sein, neue Krisen für die Zukunft grundsätzlich auszuschließen. Überschiessen und Korrektur werden immer Teil einer offenen und dynamischen Marktwirtschaft sein. Aber Ziel muss es sein, weniger Krisen und weniger schwerwiegende Krisen zu haben, und auch Krisenansteckung zu vermeiden. Allerdings ist auch im Krisenfall Eigenverantwortung unverzichtbar, schon um moral hazard zu minimieren. Der IWF ist kein Lender of Last Resort, im Sinne unbegrenzt verfügbarer Liquidität, um Ländern in Schwierigkeiten aus der Patsche zu helfen. Deshalb haben wir jetzt die Voraussetzungen und die Grenzen für den Zugang zu IWF-Krediten klarer definiert. Wir haben auch eine lange Diskussion hinter uns, wie einem Land im Extremfall der Zahlungsunfähigkeit am Besten geholfen werden kann. Der Vorschlag des IWF, für diese seltenen Fälle einen dem privaten Insolvenzrecht-ähnlichen Mechanismus einzuführen, hat nicht die benötigte hohe Stimmrechtsunterstützung gefunden, die für eine Änderung der IWF Statuten nötig gewesen wäre. Einigkeit besteht aber, die Einführung von sogenannten Collective Action Clauses (CAC) in Staatsanleihen voranzubringen, so daß einzelne Gläubiger eine unumgängliche Umstrukturierung von Schulden nicht blockieren können. Es ist sehr zu begrüßen, daß Mexiko, Brasilien, und zuletzt Südafrika solche Klauseln in ihre jüngsten Anleihen eingebaut haben. Der IWF unterstützt auch die Formulierung eines freiwilligen Verhaltenskodex, der Spielregeln für Schuldner und Gläubiger bei Umschuldungen festlegt. Darüber hinaus arbeiten wir weiter an noch offenen Fragen, z.B. hinsichtlich der Aggregation von Schuldenforderungen aus verschiedenen Anleihen. Ich habe keine Zweifel, dass diese Schritte einen Rahmen geschaffen haben, der in der Zukunft das Krisenmanagement wesentlich verbessert.
 Souveräne Nationalstaaten mit qualifizierten Politikern, die im Krisenfall Eigenverantwortung übernehmen können, gibt es gar nicht: siehe Deutschland! Hier sind "moral hazards" Tür und Tor geöffnet und nicht der IWF ist "lender of last resort" sondern die steuerzahlende Mittelschicht.
Die ist nur zu blöd, überhaupt irgendwas zu merken. Sie hat in den vergangenen 40 Jahren nicht gemerkt, wie sie systematisch demontiert wird. Und die Demontage geht munter immer weiter.

***

13. Ich halte es für richtig und wichtig, daß der IWF nicht nur für die reichen Länder sondern auch für die armen Länder da ist. Wir sind eine globale Institution mit 184 Mitgliedsländern, und in (zu)vielen dieser Länder ist Armut die größte Herausforderung. Globalisierung verlangt einen Politik-Rahmen für eine Welt. Und mit dem Ergebnis der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung im März 2002 in Monterrey gibt es jetzt ein bemerkenswertes Maß an internationaler Übereinstimmung über die richtige Konzeption zur Überwindung der Armut. Dieser Ansatz beruht auf zwei Pfeilern:

  • Erstens: Verstärkte Eigenanstrengungen der armen Länder; d.h. sie müssen zu Hause für Rechtsstaatlichkeit, gute Regierungsführung, die Bekämpfung der Korruption, und ein besseres Investitionsklima sorgen.
  • Und zweitens: Schnellere, umfassendere und effektivere Unterstützung durch die wohlhabenden Länder. Wobei diese begreifen müssen, daß die Wirksamkeit der Hilfe umso größer ist, je mehr die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern als Partnerschaft verstanden wird.

Dieser Ansatz und der Geist von Monterrey prägt auch das von einer neuen Generation afrikanischer Führer selbst entwickelte Konzept der Neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (NEPAD).
Wo ist Köhlers Ansatz und Geist von Monterrey geblieben? Wo ist die gute Rechtsstaatlichkeit der souveränen Nationalstaaten? Wo ist die Korruption bekämpft und gutes Investitions-klima? Ich sehe zur Zeit nur Wohlhabende des Geld- und Hochadels, die souveräne, westliche, hochentwickelte Industrienationen über ihre Schuldenfalle in den Ruin treiben.
Sage mir mal eine (1) demokratisch regierte Industrienation, die die Zusammenarbeit mit einem Entwicklungsland als Partnerschaft der demokratischen, politischen Führungen versteht!

14. Weltbank und IWF unterstützen dieses Konzept — bei Federführung der Weltbank — mit technischer Hilfe und finanzieller Unterstützung im Rahmen der sogenannten Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP). Das sind im wesentlichen langfristige Entwicklungsstrategien, die von den Ländern selbst verabschiedet wurden. Das neue an diesem Konzept ist nicht zuletzt, daß die Bevölkerung in einem breiten Konsultationsprozeß einbezogen wird, um die Akzeptanz (Ownership) zu stärken und auch dadurch die Chancen auf Erfolg zu verbessern. Wichtig ist ferner, daß diese Länderstrategien mit anderen bilateralen und multilateralen Gebern, auch mit NGOs, besprochen werden, um die Koordinierung der Entwicklungshilfe zu verbessern.
Köhler spricht hier davon, das Politiker souverä-ner Nationalstaaten die Entwicklungsstrategien verabschiedet haben - nicht das Weltwirtschaft-forum von Klaus Schwab, nicht Liz Mohn und der Bertelsmann-Verlag, nicht die Pharma-, Agrar- oder Lebensmittelindustrie. Die Strategien werden mit anderen bilateralen und multilateralen Regierungen besprochen - nicht mit Nestle oder Monsanto. Um die Koordinierung der Entwicklungshilfe zu verbessern sprechen nicht nur Politiker der Regierungen miteinander sondern die großen Nichtregierungsorganisatio-nen werden von den Politikern der souveränen Nationalstaaten in die Gespräche mit einbezogen.
Köhler sagt nicht, daß korrupte Politiker und die rein profitorientierte Wirtschaft zusammen mit den Führern der NGOs die Gespräche um die Entwicklungsverhinderung führen - vorbei an der Zivilbevölkerung, über die Köpfe der Wähler hinweg.

Der IWF bringt in dieses Konzept vor allem seine Expertise im Bereich makroökonomischer Politik und finanzieller Stabilität ein. Dabei verfolgen wir Stabilität nicht als Selbstzweck, sondern weil die Erfahrung gezeigt hat, daß Inflation und Unordnung in den Staatsfinanzen dauerhaftem Wirtschaftswachstum entgegenstehen und im Ergebnis den Ärmsten am meisten schaden.
Das erleben wir zur Zeit gerade! Köhler stand den Interessen des Geld- und Hochadels nicht nur beim IWF im Weg sondern auch als "machtloser" Bundespräsident.

Inzwischen haben 28 Entwicklungsländer volle PRSPs entwickelt und 21 weitere koordinieren ihren Entwicklungsprozess mit den Industrieländern mit Hilfe von Interim-PRSPs. Erste Erfolge zeichnen sich deutlich in Ländern wie Mosambik, Tansania, und Uganda ab. Diese Länder haben nicht nur die Schocks in der Weltwirtschaft in den letzten drei Jahren mit relativ stabilem Wachstum überstanden. In diesen Ländern nehmen z.B. auch die Aufwendungen für Bildung und Gesundheit strukturell zu. Der IWF hat sein Engagement in Afrika nicht zuletzt durch den Aufbau von zwei regionalen technischen Hilfszentren in Tansania und Mali verstärkt. Dort bieten wir den Ländern Ausbildung und Training vor allem für eine effiziente öffentliche Finanzwirtschaft und den Aufbau von entwicklungsgerechten Finanzsektoren an.
Was Köhler wohl heute dazu sagen würde?

15. Schuldenerleichterung muß eindeutig Teil eines umfassenden Konzepts zur Armutsbekämpfung sein. Der IWF und die Weltbank haben bisher 26 Länder unter der erweiterten HIPC-Initiative Schuldenerlaß von rund 40 Milliarden Dollar gebracht. Im Ergebnis wird dadurch der Gegenwartswert (Net Present Value) der Gesamtschulden dieser Länder auf ein Drittel des ursprünglichen Standes reduziert. In diesen Ländern sind jetzt die Sozialausgaben im Schnitt drei Mal so hoch wie ihr Schuldendienst. Ich rate aber auch dazu, Schuldenerlaß nicht als Patentrezept zu verstehen. Das Wort Kredit kommt vom lateinischen credere, d.h. Vertrauen. Die Entwicklungsländer müssen das Vertrauen, dass Verträge eingehalten werden, bewahren oder aufbauen wenn sie sich die Möglichkeit des Zugangs zu privaten Finanzierungsmitteln erschließen wollen. Die Förderung einer solchen Kreditkultur ist nicht nur für Entwicklung unentbehrlich, sondern auch für die Stabilität des internationalen Finanzsystems insgesamt.
Kredit sollte man eigentlich nie im Zusammen-hang mit Ethik, Moral und Kultur nennen - geschweige zu einem Wort zusammenfügen!
Dank Geld- und Hochadel ist die demokratische Politik ausgehebelt und die internationalen Finanzmärkte sind außer Rand und Band!
Man stelle sich einmal vor, daß Deutschland die Schulden zu zwei Dritteln erlassen werden und wir dafür die Sozialausgaben verdreifachen.

16. Der wahre Glaubwürdigkeitstest für die Industrieländer, Armut zu bekämpfen, liegt für mich in ihrer Bereitschaft zur Marktöffnung gegenüber den armen Ländern, einschließlich dem Abbau marktverzerrender Subventionen, und in der Einhaltung von Versprechungen an staatlicher Entwicklungshilfe. Handel ist ein Motor des Wirtschaftswachstums, ohne das letztendlich die Armutsbekämpfung nicht wirklich vorankommen kann. Handel ist die beste Hilfe zur Selbsthilfe, und wirkt der Abhängigkeit von öffentlicher Entwicklungshilfe entgegen. Es ist überfällig, daß die Industrieländer ihre Märkte stärker und schneller für die Produkte aus Entwicklungsländern öffnen. Weitreichende Reformen in der Agrarpolitik aller Industrieländer sind dazu dringend von Nöten — aus fundamentaler moralischer Verantwortung heraus und weil es wirtschaftlich Sinn macht:

  • Die Abschaffung aller Handelsbarrieren im Bereich des weltweiten Warenhandels würde, je nach Schätzung und ohne Produktivitätszuwächse und bessere Investitionschancen zu berücksichtigen, zu einem jährlichen Einkommenszuwachs von zwischen 250 und 620 Milliarden Dollar führen — wovon ein Drittel bis die Hälfte Entwicklungsländern zugute kommen würde;
  • Die Unterstützung für die Agrarsektoren in der OECD im Jahr 2001 beliefen sich auf über 300 Mrd. US-$, das Sechsfache der Entwicklungshilfe aus diesen Ländern. Auf jede Kuh in Europa kommt eine jährliche Subvention von 2,50 US Dollar — also statistisch mehr als der Betrag mit dem in Entwicklungsländern fast drei Milliarden Menschen am Tag auskommen müssen!
  • Handelsschranken verhindern den Aufbau von verarbeitenden Industrien in den Entwicklungsländern. Beispielsweise erhebt die EU keinen Zoll auf die Einfuhr von Kakaobohnen, während Kakaopaste, ein Halbfertigprodukt, dagegen einem Zollsatz von 9,6 Prozent unterliegt, und verarbeitete Schokolode einem gestaffelten Zollsatz, der bis zu 25 Prozent betragen kann.

Es war eine Art Sternstunde in der Entwicklungspolitik als die Verhandlungsführer in der Welthandelsorganisation vor 2 Jahren in Doha (Katar) sich darauf verständigten, eine neue Initiative zur multilateralen Liberalisierung des Welthandels zu einer ,,Entwicklungsrunde" zu machen. Heute müssen wir uns besorgt fragen, ob dieser Optimismus noch berechtigt ist. Enttäuschend ist in jedem Fall, dass die vereinbarte Klärung über die Modalitäten der Verhandlungen im Agrarbereich nicht zu dem geplanten Termin in März zustande kam. Dreiviertel der Armen der Welt leben in ländlichen Gebieten und sind abhängig von der Landwirtschaft. Deshalb ist der Agrarbereich der Schlüssel zu einer wirklichen ,,Entwicklungsrunde". Darüber hinaus ist der erfolgreiche Abschluss der Doha Runde zu dem vereinbarten Zeitpunkt in 2005 auch ein essentieller Schritt, um das notwendige Grundvertrauen in Zusammenarbeit und Ausgleich in der Welt zu stärken, und damit den Wirtschaftsaufschwung zu unterstützen.
Die Sternstunde der Entwicklungspolitik in DOHA war laut Köhler 2001 und 2003 (zur Zeit dieses Vortrags) mußte man schon bezweifeln, das der Optimismus von 2001 angebracht war. Was war 2005??? Was ist heute - 2010 - eigentlich daraus geworden???

17. Es ist auch überfällig, daß die Industrieländer endlich ihr Versprechen wahrmachen, 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für staatliche Entwicklungshilfe aufzuwenden. In Deutschland liegt die Entwicklungshilfe jetzt bei 0,26 Prozent des BSP. Wer immer nach Ursachen und auch Schuldigen sucht für Ungerechtigkeit in der Welt, sollte nicht zuletzt über diese Zahl nachdenken. Sie ist ein konkreter Ausdruck aktueller gesellschaftlicher Präferenzen in Deutschland.
Das war Köhler 2003.

***

Eine globale Welt braucht eine globale Ethik

18. Ich bin grundsätzlich Optimist und davon überzeugt, daß mit der richtigen Politik eine bessere Globalisierung möglich ist — und dies heißt nicht zuletzt auch die Überwindung schreiender Armut in der Welt. Aber auch die jüngsten Finanzskandale in den USA und in Europa sollten uns daran erinnern, daß sich gute Marktwirtschaft und gute Unternehmensführung nicht nur an der Höhe des Gewinns bemisst. Wir brauchen eine Unternehmensethik dauerhafter Wertebildung, die Kapitaleigner, Arbeitnehmer und die Umwelt einschließt. Ich teile auch die Meinung von Hans Küng, daß es kein Überleben des Globus geben kann ohne globale Ethik. Diese Ethik muß Menschenrechte respektieren, aber auch vermitteln, daß den Rechten Pflichten gegenüberstehen. Hans Küng hat darüber hinaus aufgezeigt, daß es zwischen den großen Weltreligionen eine ganze Reihe von wichtigen Gemeinsamkeiten gibt. Ich sehe auch darin einen Anhaltspunkt für Optimismus, nicht zuletzt für den notwendigen Heilungsprozess im Mittleren Osten. Wir alle müssen und können daran mitwirken, ,,eine gemeinsame Zivilisation des friedlichen Miteinander" zu entwickeln (Roman Herzog). Das ist jedenfalls auch die Basis meiner Vision für den IWF.
Sowohl Herzog als auch Köhler sprechen von globaler Ethik und gemeinsamer Zivilisation und sie sprechen von einem friedlichen Miteinander souveräner autarker Nationalstaaten mit fähigen
Politikern, die Kapital und Wirtschaft ihrer Länder im Sinne mündiger Wähler und Staatsbürger regieren und fairen Handel als Partner miteinander treiben mit stabilen Währungen und Wechselkursen.

Ich weiß nicht,
was Horst Köhler oder seine "Ghostwriter" sich dabei gedacht haben. Ich interpretiere den Vortrag ja lediglich in meiner eigenen konstruierten Realität. Jeder andere interpretiert den Vortrag in seiner konstruierten Realität. Um letztendlich in Erfahrung zu bringen was Köhler mit dem Vortrag sagen will, muß man ihn selber fragen. Aber das ist auch nicht unbedingt zielführend. Köhler´s Aussagen ergebnisorientiert umsetzen wäre zielführend. Dem müßte aber zunächst die Bewußtwerdung über die unbegriffenen Mächte vorausgehen.

Es ist mir völlig unbegreiflich, daß die Diskussion um die Transformation, den Umbruch, die transnationale Vergesell-schaftung bei uns in Deutschland noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Gerade eben hat das Institut für Wirtschaftsforschung festgestellt, daß sich die Mittelschicht in Deutschland in Auflösung befindet. Die wahren Hintergründe dafür sind entweder nicht bekannt oder sie werden nicht genannt. Viel schlimmer ist aber, das die Mittelschicht selber das gar nicht zur Kenntnis nimmt oder sich zumindest nicht dazu äußert.
Die neuerliche Gesundheitsreform wird auch wieder auf dem Rücken der mittleren Einkommen ausgetragen. Die angehobenen Krankenkassenbeiträge bezahlen Leute in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen. Die Niedriglöhner werden mit Steuergeldern subventioniert, die auch wieder von den Leuten in sozialversicherungs-pflichtigen Arbeitsverhältnissen erbracht werden. In Deutschland gibt es seit etlichen Jahren eine Debatte um das Ehrenamt, um bürgerschaftliches Engagement, um die Zivilgesellschaft.
In der Debatte geht es um Sektoren. Die Gesellschaft ist aufgeteilt in drei Sektoren: Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft. Die Wirtschaft demontiert die Politik. Die Politik demontiert das Bürgertum. Auf der Strecke bleibt die Demokratie, die Soziale Marktwirtschaft, die Sozialversicherung, der Nationalstaat Deutschland samt Grundgesetz.
Gemeinsam denken Politik und Wirtschaft darüber nach, wie die Zivilgesellschaft dazu verpflichtet werden kann, staatstragende Aufgaben zu erledigen, die die Politik nicht mehr erfüllen kann und die die Wirtschaft nicht leisten will.

Ein Lösungsansatz sind "Bürgerstiftungen" á la Bertelsmann. Dazu hat die Politik das Spenden- und Stiftungsgesetz angepaßt. Stiftungskapital ist Privatkapital und kann nicht verloren gehen. Es kann nur wachsen. Ein toller Ansatz.
Das bedeutet versilbern des nationalstaatlichen Tafelsilbers der Bundesrepublik Deutschland. Das Tafelsilber des souveränen Volkes wird privatisiert.
Einen Disput gibt es über die Zivilgesellschaft. Spenden, Stiftungen und ehrenamtliche Arbeit beruhen auf Freiwilligkeit.
Die Erledigung staatstragender Aufgaben wäre so der Lust und Laune von Spendern, Stiftern und Ehrenamtlichen ausgesetzt. Das bereitet den Akteuren in einem Einwanderungsland mit einer auf dem Kopf stehenden Bevölkerungspyramide Kopfzerbrechen. Der Geld- und Hochadel streut ein paar Perlen vor die Säue, geschröpft wird die ohnehin gebeutelte Mittelschicht und der Sozialschrott wird per Gesetz zum Arbeitsdienst verpflichtet.
Nur darf man das so nicht formulieren. Der Begriff "Arbeitsdienst" ist irgendwie negativ behaftet.

Zu dieser Problematik gibt es einen 220-Seiten langen Zwischenbericht, den Sie hier nachlesen können:
Bericht zur Lage und zu den Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

Wer sich zur Bundesrepublik Deutschland Gedanken macht und mitreden will, der sollte das kennen. Aber man sollte auch einen Vortrag kennen von Dr. Rupert Graf Strachwitz, den er anlässlich der Konrad-Adenauer-Lectures am 25. März 2010 in Rom gehalten hat:
Die Zukunft der Sozialen Markwirtschaft - die Zivilgesellschaft als politische und moralische Kraft


Ich bin eigentlich der Meinung, das - wenn das Volk , die Wähler, die "mündigen" Staatsbürger morgen verstehen und begreifen würden was hier passiert - morgen ein Volkssturm der Entrüstung losbrechen würde, der Seinesgleichen sucht.
Aber das Volk, um das es hier geht, befindet sich in einem tiefen gesamtgesellschaftlichen Koma und war nie weiter davon entfernt irgendetwas zu begreifen. So ergeht es auch unseren Politikern und den sich systemimmanent verhaltenden Parteien.
 


Jürgen Rüttgers - Liz Mohn

Die Bertelsmann-Erbin Liz Mohn erhält den
Großen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Weltwirtschaftlicher Preis 2010 für Liz Mohn

 

Studentenkundgebung Hannover 2009 Ausschnitt


Schwäbische Gosch - Der Horst ist weg!


Fazit:
Die Eliten bleiben unter sich
Deutschland und die Welt braucht kein akademisches Proletariat
(sonst hätte die Mittelschicht vielleicht mal was gemerkt)
Störenfriede werden eliminiert

Die 68er lassen grüßen:
Die Studentenbewegung wurde zusammengeprügelt.
Die Arbeiterbewegung wurde zusammengeprügelt.
Die außerparlamentarische Opposition wurde zusammengeprügelt.
Der Rechtsstaat des Geld- und Hochadels wurde wieder hergestellt.
Bewußtwerdung und Aufklärung hat nie stattgefunden.
Morgen kann sich alles wiederholen.

The Coming Collapse of the Middle Class - 2008
Der kommende Kollaps der Mittelschicht


Elizabeth Warren an der Universität von Californien,Berkeley

The Two Income Trap

Elizabeth Warren im Gespräch mit der Massachusetts School of Law

Die Zahlungsunfähigkeit ist vorprogrammiert!
Der Tag der Abrechnung wird kommen!
 

Ich habe hier noch einen von Jürgen Habermas, der in unserer Republik und weit darüber hinaus ja auch nicht unbedingt als "Nullnummer" wahrgenommen wird:
 

Nach dem Bankrott, Der Privatisierungswahn ist an sein Ende gekommen. Nicht der Markt, sondern die Politik ist für das Gemeinwohl zuständig: Ein Gespräch mit dem Philosophen Jürgen Habermas über die Notwendigkeit einer internationalen Weltordnung (Nachdruck des Interviews: DIE ZEIT, 06.11.2008 Nr. 46)

Nach dem Bankrott

Thomas Assheuer im Interview mit Jürgen Habermas

Der Privatisierungswahn ist an sein Ende gekommen. Nicht der Markt, sondern die Politik ist für das Gemeinwohl zuständig: Ein Gespräch mit dem Philosophen Jürgen Habermas über die Notwendigkeit einer internationalen Weltordnung

DIE ZEIT: Herr Habermas, das internationale Finanzsystem ist kollabiert, es droht eine Weltwirtschaftskrise. Was beunruhigt Sie am meisten?

Jürgen Habermas: Was mich am meisten beunruhigt, ist die himmelschreiende soziale Ungerechtigkeit, die darin besteht, dass die sozialisierten Kosten des Systemversagens die verletzbarsten sozialen Gruppen am härtesten treffen. Nun wird die Masse derer, die ohnehin nicht zu den Globalisierungsgewinnern gehören, für die realwirtschaftlichen Folgen einer vorhersehbaren Funktionsstörung des Finanzsystems noch einmal zur Kasse gebeten. Und dies nicht wie die Aktienbesitzer in Geldwerten, sondern in der harten Währung ihrer alltäglichen Existenz. Auch im globalen Maßstab vollzieht sich dieses strafende Schicksal an den ökonomisch schwächsten Ländern. Das ist der politische Skandal. Jetzt mit dem Finger auf Sündenböcke zu zeigen, halte ich allerdings für Heuchelei. Auch die Spekulanten haben sich im Rahmen der Gesetze konsequent nach der gesellschaftlich anerkannten Logik der Gewinnmaximierung verhalten. Die Politik macht sich lächerlich, wenn sie moralisiert, statt sich auf das Zwangsrecht des demokratischen Gesetzgebers zu stützen. Sie und nicht der Kapitalismus ist für die Gemeinwohlorientierung zuständig.

ZEIT: Sie haben gerade Vorlesungen an der Universität Yale gehalten. Was waren für Sie die eindrücklichsten Bilder dieser Krise?

Habermas: Über die Bildschirme flimmerte die hoppersche Melancholie der Endlosschleife langer Reihen verlassener Häuschen in Florida und anderswo – mit dem Schild »Foreclosure« im Vorgarten. Anschließend die Busse mit den neugierigen Kaufinteressenten aus Europa und den Reichen aus Lateinamerika, und dann der Makler, der ihnen im Schlafzimmer die aus Wut und Verzweiflung zerstörten Wandschränke zeigt. Nach meiner Rückkehr hat mich überrascht, wie sehr sich die aufgeregte Stimmung in den USA vom gleichmütigen business as usual hierzulande unterscheidet. Dort verbanden sich die höchst realen wirtschaftlichen Ängste mit der heißen Endphase eines der folgenreichsten Wahlkämpfe. Die Krise hat auch den breiten Wählerschichten ihre persönliche Interessenlage schärfer zu Bewusstsein gebracht. Sie nötigte die Leute nicht notwendig zu vernünftigeren, aber zu rationaleren Entscheidungen – jedenfalls im Vergleich zur letzten, durch Nine-Eleven ideologisch aufgeputschten Präsidentschaftswahl. Diesem zufälligen Zusammentreffen wird Amerika, wie ich unmittelbar vor der Wahl anzunehmen wage, den ersten schwarzen Präsidenten verdanken – und damit einen tiefen historischen Einschnitt in der Geschichte seiner politischen Kultur. Darüber hinaus könnte aber die Krise auch in Europa einen Wechsel der politischen Großwetterlage ankündigen.

ZEIT: Was meinen Sie damit?

Habermas: Solche Gezeitenwechsel verändern die Parameter der öffentlichen Diskussion; damit verschiebt sich das Spektrum der für möglich gehaltenen politischen Alternativen. Mit dem Koreakrieg ging die Periode des New Deal zu Ende, mit Reagan und Thatcher und dem Abflauen des Kalten Krieges die Zeit der sozialstaatlichen Programme. Und heute ist mit dem Ende der Bush-Ära und dem Zerplatzen der letzten neoliberalen Sprechblasen auch die Programmatik von Clinton und New Labour ausgelaufen. Was kommt jetzt? Ich hoffe, dass die neoliberale Agenda nicht mehr für bare Münze genommen, sondern zur Disposition gestellt wird. Das ganze Programm einer hemmungslosen Unterwerfung der Lebenswelt unter Imperative des Marktes muss auf den Prüfstand.

ZEIT: Für Neoliberale ist der Staat nur ein Mitspieler auf dem ökonomischen Feld. Er soll sich kleinmachen. Ist dieses Denken nun diskreditiert?

Habermas: Das hängt vom Verlauf der Krise ab, von der Wahrnehmungsfähigkeit der politischen Parteien, von den öffentlichen Themen. In der Bundesrepublik herrscht ja noch eine eigentümliche Windstille. Blamiert hat sich die Agenda, die Anlegerinteressen eine rücksichtslose Dominanz einräumt, die ungerührt wachsende soziale Ungleichheit, das Entstehen eines Prekariats, Kinderarmut, Niedriglöhne und so weiter in Kauf nimmt, die mit ihrem Privatisierungswahn Kernfunktionen des Staates aushöhlt, die die deliberativen Reste der politischen Öffentlichkeit an renditesteigernde Finanzinvestoren verscherbelt, Kultur und Bildung von den Interessen und Launen konjunkturempfindlicher Sponsoren abhängig macht.

ZEIT: Und nun, in der Finanzkrise, werden die Folgen des Privatisierungswahns sichtbar?

Habermas: In den USA verschärft die Krise die schon jetzt sichtbaren materiellen und moralischen, sozialen und kulturellen Schäden einer von Bush auf die Spitze getriebenen Politik der Entstaatlichung. Die Privatisierung der Alters- und Gesundheitsvorsorge, des öffentlichen Verkehrs, der Energieversorgung, des Strafvollzuges, militärischer Sicherungsaufgaben, weiter Bereiche der Schul- und Universitätsausbildung und das Ausliefern der kulturellen Infrastruktur von Städten und Gemeinden an das Engagement und die Großherzigkeit privater Stifter gehören zu einem Gesellschaftsdesign, das in seinen Risiken und Auswirkungen mit den egalitären Grundsätzen eines sozialen und demokratischen Rechtsstaates schlecht zusammenpasst.

ZEIT: Staatliche Bürokratien können einfach nicht rentabel wirtschaften.

Habermas: Aber es gibt verletzbare Lebensbereiche, die wir den Risiken der Börsenspekulation nicht aussetzen dürfen; dem widerspricht die Umstellung der Altersversorgung auf Aktien. Im demokratischen Verfassungsstaat gibt es auch öffentliche Güter wie die unverzerrte politische Kommunikation, die nicht auf die Renditeerwartungen von Finanzinvestoren zugeschnitten werden dürfen. Das Informationsbedürfnis von Staatsbürgern kann nicht von der konsumreifen Häppchenkultur eines flächendeckenden Privatfernsehens befriedigt werden.

ZEIT: Haben wir es, um ein kontrovers diskutiertes Buch von Ihnen zu zitieren, mit einer »Legitimationskrise des Kapitalismus« zu tun?

Habermas: Seit 1989/90 gibt es kein Ausbrechen mehr aus dem Universum des Kapitalismus; es kann nur um eine Zivilisierung und Zähmung der kapitalistischen Dynamik von innen gehen. Schon während der Nachkriegszeit war die Sowjetunion für die Masse der westeuropäischen Linken keine Alternative. Deswegen habe ich 1973 von Legitimationsproblemen »im« Kapitalismus gesprochen. Und die stehen wieder, je nach nationalem Kontext mehr oder weniger dringlich, auf der Tagesordnung. Ein Symptom sind die Forderungen nach Begrenzung der Managergehälter oder nach Abschaffung der golden parachutes, der unsäglichen Abfindungen und Bonuszahlungen.

ZEIT: Das ist doch Politik fürs Schaufenster. Im nächsten Jahr sind Wahlen.

Habermas: Stimmt, das ist natürlich symbolische Politik und eignet sich zum Ablenken vom Versagen der Politiker und ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Berater. Die wussten seit Langem über den Regelungsbedarf der Finanzmärkte Bescheid. Ich habe mir gerade Helmut Schmidts glasklaren Artikel Beaufsichtigt die neuen Großspekulanten! vom Februar 2007 noch einmal durchgelesen (ZEIT Nr. 6/07). Alle wussten es. Aber in Amerika und Großbritannien haben die politischen Eliten die ungezügelte Spekulation, solange es eben gut ging, für nützlich gehalten. Und auf dem europäischen Kontinent hat man sich dem Washington-Konsens gebeugt. Auch hier gab es eine breite Koalition der Willigen, für die Herr Rumsfeld nicht zu werben brauchte.

ZEIT: Der Washington-Konsens war das berühmt-berüchtigte Wirtschaftskonzept von IWF und Weltbank aus dem Jahr 1990, mit dem zuerst Lateinamerika und dann die halbe Welt reformiert werden sollte. Seine zentrale Botschaft lautete: Trickle down. Lasst die Reichen reicher werden, dann sickert der Wohlstand schon zu den Armen.

Habermas: Seit vielen Jahren häufen sich die empirischen Belege dafür, dass diese Prognose falsch ist. Die Effekte der Wohlstandssteigerung sind national und weltweit so asymmetrisch verteilt, dass sich die Armutszonen vor unser aller Augen ausgebreitet haben.

ZEIT: Um etwas Vergangenheitsbewältigung zu betreiben: Warum ist der Wohlstand so ungleich verteilt? Hat das Ende der kommunistischen Bedrohung den westlichen Kapitalismus enthemmt?

Habermas: Mit dem nationalstaatlich beherrschten, durch keynesianische Wirtschaftspolitiken eingehegten Kapitalismus, der ja den OECD-Ländern einen aus historischer Sicht unvergleichlichen Wohlstand beschert hat, war es schon früher am Ende – nach der Preisgabe des Systems der festen Wechselkurse und dem Ölschock. Die ökonomische Lehre der Chicago-Schule ist bereits unter Reagan und Thatcher zur praktischen Gewalt geworden. Das hat sich unter Clinton und New Labour – auch während der Ministerzeit unseres jüngsten Helden Gordon Brown – nur fortgesetzt. Allerdings hat der Zusammenbruch der Sowjetunion im Westen einen fatalen Triumphalismus ausgelöst. Das Gefühl, weltgeschichtlich recht bekommen zu haben, übt eine verführerische Wirkung aus. In diesem Fall hat es eine wirtschaftspolitische Lehre zu einer Weltanschauung aufgebläht, die alle Lebensbereiche penetriert.

ZEIT: Der Neoliberalismus ist eine Lebensform. Alle Bürger sollen zu Unternehmern und zu Kunden werden…

Habermas: …und zu Konkurrenten. Der Stärkere, der sich in der freien Wildbahn der Konkurrenzgesellschaft durchsetzt, darf sich diesen Erfolg als persönliches Verdienst anrechnen lassen. Es ist von abgründiger Komik, wie Wirtschaftsmanager – und nicht nur die – dem Elitegeschwätz unserer Talkrunden auf den Leim gehen, sich allen Ernstes als Vorbilder feiern lassen und mental den Rest der Gesellschaft unter sich lassen. Als könnten sie nicht mehr unterscheiden zwischen funktionalen und ehrpusselig-ständegesellschaftlichen Eliten. Was, bitte, soll am Charakter von Leuten in Führungspositionen, die ihre Arbeit halbwegs ordentlich tun, exemplarisch sein? Ein weiteres Alarmzeichen war die Bush-Doktrin vom Herbst 2002, die die Irakinvasion vorbereitet hat. Das sozialdarwinistische Potenzial des Marktfundamentalismus hat sich seitdem nicht mehr nur in der Gesellschaftspolitik, sondern auch in der Außenpolitik entfaltet.

ZEIT: Aber es war ja nicht Bush allein. Ihm stand eine erstaunliche Schar einflussreicher Intellektueller zur Seite.

Habermas: Und viele haben nichts hinzugelernt. Bei Vordenkern wie Robert Kagan tritt nach dem Irakdesaster das Denken in Carl Schmittschen Wolfs-Kategorien noch deutlicher hervor. Den regressiven Absturz der Weltpolitik in ein atomar bewaffnetes, hochbrisantes Machtgerangel kommentiert er heute mit den Worten: »Die Welt ist wieder normal geworden.«

ZEIT: Aber noch einmal zurück: Was wurde nach 1989 versäumt? Ist das Kapital schlicht zu mächtig geworden gegenüber der Politik?

Habermas: Mir ist im Laufe der neunziger Jahre klar geworden, dass die politischen Handlungskapazitäten den Märkten auf supranationaler Ebene nachwachsen müssen. Danach sah es ja auch in den frühen neunziger Jahren zunächst aus. George Bush der Ältere sprach programmatisch von einer Neuen Weltordnung und schien auch die lange Zeit blockierten – und verächtlich gemachten! – Vereinten Nationen in Anspruch nehmen zu wollen. Die vom Sicherheitsrat beschlossenen humanitären Interventionen stiegen zunächst sprunghaft an. Der politisch gewollten wirtschaftlichen Globalisierung hätten eine weltweite politische Koordination und die weitere Verrechtlichung der internationalen Beziehungen folgen sollen. Aber die ersten ambivalenten Ansätze sind schon unter Clinton stecken geblieben. Dieses Defizit bringt die gegenwärtige Krise wieder zu Bewusstsein. Seit den Anfängen der Moderne müssen Markt und Politik immer wieder so ausbalanciert werden, dass das Netz der solidarischen Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer politischen Gemeinschaft nicht reißt. Eine Spannung zwischen Kapitalismus und Demokratie bleibt immer bestehen, weil Markt und Politik auf gegensätzlichen Prinzipien beruhen. Auch nach dem letzten Globalisierungsschub verlangt die Flut der in komplexer gewordenen Netzwerken freigesetzten dezentralisierten Wahlentscheidungen nach Regelungen, die es ohne eine entsprechende Erweiterung von politischen Verfahren der Interessenverallgemeinerung nicht geben kann.

ZEIT: Aber was heißt das? Sie halten an Kants Kosmopolitismus fest und nehmen die von Carl Friedrich von Weizsäcker ins Spiel gebrachte Idee einer Weltinnenpolitik auf. Mit Verlaub, das klingt ziemlich illusionär. Man muss sich doch nur den Zustand der Vereinten Nationen anschauen.

Habermas: Selbst eine gründliche Reform der Kerninstitutionen der Vereinten Nationen wäre nicht ausreichend. Gewiss, der Sicherheitsrat, das Sekretariat, die Gerichtshöfe, überhaupt die Kompetenzen und Verfahren dieser Institutionen müssten dringend für eine globale Durchsetzung des Gewaltverbots und der Menschenrechte fit gemacht werden – für sich genommen schon eine immense Aufgabe. Aber selbst wenn sich die UN-Charta zu einer Art Verfassung der internationalen Gemeinschaft entwickeln ließe, fehlte in diesem Rahmen immer noch ein Forum, auf dem sich die bewaffnete Machtpolitik der Weltmächte in institutionalisierte Verhandlungen über die regelungsbedürftigen Probleme der Weltwirtschaft, der Klima- und Umweltpolitik, der Verteilung umkämpfter Energieressourcen, knapper Trinkwasserbestände und so weiter verwandelt. Auf dieser transnationalen Ebene entstehen Verteilungsprobleme, die nicht in derselben Art wie Menschenrechtsverstöße oder Verletzungen der internationalen Sicherheit – letztlich als Straftatbestände – entschieden werden können, sondern politisch ausgehandelt werden müssen.

ZEIT: Dafür gibt es doch schon eine bewährte Einrichtung: die G8.

Habermas: Das ist ein exklusiver Club, in dem einige dieser Fragen unverbindlich besprochen werden. Zwischen den überspannten Erwartungen, die sich an diese Inszenierungen knüpfen, und dem dürftigen Ertrag der folgenlosen Medienspektakel besteht übrigens ein verräterisches Missverhältnis. Der illusionäre Erwartungsdruck zeigt, dass die Bevölkerungen die ungelösten Probleme einer künftigen Weltinnenpolitik sehr wohl wahrnehmen – und vielleicht stärker empfinden als ihre Regierungen.

ZEIT: Die Rede von »Weltinnenpolitik« klingt eher nach den Träumen eines Geistersehers.

Habermas: Noch gestern hätten es die meisten für unrealistisch gehalten, was heute passiert: Die europäischen und asiatischen Regierungen überbieten sich im Hinblick auf die fehlende Institutionalisierung der Finanzmärkte mit Regulierungsvorschlägen. Auch SPD und CDU machen Vorschläge zu Bilanzpflicht und Eigenkapitalbildung, zur persönlichen Haftung der Manager, zur Verbesserung der Transparenz, der Börsenaufsicht und so weiter. Von einer Börsenumsatzsteuer, die schon ein Stück globaler Steuerpolitik wäre, ist freilich nur gelegentlich die Rede. Die vollmundig angestrebte neue »Architektur des Finanzsystems« wird gegen Widerstände aus den USA ohnehin nicht einfach durchzusetzen sein. Aber ob sie angesichts der Komplexität dieser Märkte und der weltweiten Interdependenz der wichtigsten Funktionssysteme überhaupt genügen würde? Völkerrechtliche Verträge, an die die Parteien heute denken, können jederzeit aufgekündigt werden. Daraus entsteht noch kein wetterfestes Regime.

ZEIT: Selbst wenn dem Weltwährungsfonds neue Kompetenzen übertragen würden, wäre das noch keine Weltinnenpolitik.

Habermas: Ich will keine Voraussagen machen. Angesichts der Probleme können wir bestenfalls konstruktive Überlegungen anstellen. Die Nationalstaaten müssten sich zunehmend, und zwar im eigenen Interesse, als Mitglieder der internationalen Gemeinschaft verstehen. Das ist das dickste Brett, das in den nächsten Jahrzehnten zu bohren wäre. Wenn wir mit dem Blick auf diese Bühne von »Politik« reden, meinen wir oft noch das Handeln von Regierungen, die das Selbstverständnis von souverän entscheidenden kollektiven Akteuren geerbt haben. Doch dieses Selbstverständnis eines Leviathan, das sich seit dem 17. Jahrhundert zusammen mit dem europäischen Staatensystem entwickelt hat, ist schon heute nicht mehr ungebrochen. Was wir bis gestern »Politik« nannten, ändert täglich seinen Aggregatzustand.

ZEIT: Aber wie passt das zum Sozialdarwinismus, der sich, wie Sie sagen, seit Nine-Eleven in der Weltpolitik wieder breitmacht?

Habermas: Vielleicht sollte man einen Schritt zurücktreten und auf einen größeren Zusammenhang schauen. Seit dem späten 18. Jahrhundert haben Recht und Gesetz die politisch verfasste Regierungsgewalt durchdrungen und ihr im Binnenverkehr den substanziellen Charakter einer bloßen »Gewalt« abgestreift. Nach außen hat sie sich von dieser Substanz allerdings genug bewahrt – trotz des wuchernden Geflechts von internationalen Organisationen und der zunehmenden Bindungskraft des internationalen Rechts. Dennoch ist der nationalstaatlich geprägte Begriff des »Politischen« im Fluss. Innerhalb der Europäischen Union haben beispielsweise die Mitgliedstaaten nach wie vor das Gewaltmonopol inne und setzen gleichwohl das Recht, das auf supranationaler Ebene beschlossen wird, mehr oder weniger klaglos um. Dieser Formwandel von Recht und Politik hängt auch mit einer kapitalistischen Dynamik zusammen, die sich als ein Wechselspiel von funktional erzwungener Öffnung und sozialintegrativer Schließung auf jeweils höherem Niveau beschreiben lässt.

ZEIT: Der Markt sprengt die Gesellschaft auf, und der Sozialstaat schließt sie wieder?

Habermas: Der Sozialstaat ist eine späte und, wie wir erfahren, fragile Errungenschaft. Die expandierenden Märkte und Kommunikationsnetze hatten immer schon eine aufsprengende, für den einzelnen Bürger zugleich individualisierende und befreiende Kraft; darauf ist aber stets eine Reorganisation der alten Solidarverhältnisse in einem erweiterten institutionellen Rahmen erfolgt. Dieser Prozess hat in der frühen Moderne begonnen, als die hochmittelalterlichen Herrschaftsstände in den neuen Territorialstaaten schrittweise parlamentarisiert – Beispiel England – oder – Beispiel Frankreich – durch absolutistische Könige mediatisiert worden sind. Der Vorgang hat sich im Gefolge der Verfassungsrevolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts und der Sozialstaatsgesetzgebungen des 20. Jahrhunderts fortgesetzt. Diese rechtliche Zähmung des Leviathan und des Klassenantagonismus war keine einfache Sache. Aber aus denselben funktionalen Gründen weist die gelungene Konstitutionalisierung von Staat und Gesellschaft heute, nach dem weiteren Schub der wirtschaftlichen Globalisierung, in die Richtung einer Konstitutionalisierung des Völkerrechts und der zerrissenen Weltgesellschaft.

ZEIT: Welche Rolle spielt Europa in diesem optimistischen Szenario?

Habermas: Eine andere als die, die es in der Krise tatsächlich gespielt hat. Ich verstehe nicht ganz, warum das Krisenmanagement der Europäischen Union so gelobt wird. Gordon Brown konnte mit seiner denkwürdigen Entscheidung den amerikanischen Finanzminister Paulson zu einer Kehrtwende in der Interpretation des mühsam beschlossenen bailout bewegen, weil er über den französischen Präsidenten und gegen das anfängliche Widerstreben von Merkel und Steinbrück die wichtigsten Spieler der Euro-Zone an Bord geholt hat. Man muss sich diesen Verhandlungsprozess und dessen Ergebnis nur genau anschauen. Es waren doch die drei mächtigsten in der EU vereinten Nationalstaaten, die als souverän handelnde Akteure vereinbart haben, ihre jeweils verschiedenen, aber gleichgerichteten Maßnahmen zu koordinieren. Trotz der Anwesenheit der Herren Juncker und Barroso hat das Zustandekommen dieser internationalen Vereinbarung klassischen Stils kaum etwas mit einer gemeinsamen politischen Willensbildung der Europäischen Union zu tun. Die New York Times hat denn auch die europäische Unfähigkeit zu einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik nicht ohne eine gewisse Häme registriert.

ZEIT: Und worauf führen Sie diese Unfähigkeit zurück?

Habermas: Der weitere Verlauf der Krise macht ja den Makel der europäischen Konstruktion offenbar: Jedes Land reagiert mit eigenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Weil die Kompetenzen in der Union, vereinfacht gesagt, so verteilt sind, dass Brüssel und der Europäische Gerichtshof die Wirtschaftsfreiheiten durchsetzen, während die dadurch entstehenden externen Kosten auf die Mitgliedsländer abgewälzt werden, gibt es heute keine gemeinsame wirtschaftspolitische Willensbildung. Die wichtigsten Mitgliedstaaten sind schon über die Grundsätze, wie viel Staat und wie viel Markt man überhaupt will, zerstritten. Und jedes Land betreibt seine eigene Außenpolitik, allen voran die Bundesrepublik. Die Berliner Republik vergisst bei aller sanften Diplomatie die Lehren, die die alte Bundesrepublik aus der Geschichte gezogen hatte. Die Regierung reckt sich mit Wohlgefallen in ihrem seit 1989/90 erweiterten außenpolitischen Handlungsspielraum und fällt zurück ins bekannte Muster der nationalen Machtspiele zwischen Staaten, die doch längst auf das Format von Duodezfürstentümern geschrumpft sind.

ZEIT: Und was sollten diese Duodezfürsten tun?

Habermas: Sie fragen mich nach meiner Wunschliste? Da ich die abgestufte Integration nach Lage der Dinge für den einzig möglichen Weg zu einer handlungsfähigen Europäischen Union halte, bietet sich Sarkozys Vorschlag zu einer Wirtschaftsregierung der Euro-Zone als Anknüpfungspunkt an. Das bedeutet ja nicht, dass man sich damit schon auf die etatistischen Hintergrundannahmen und protektionistischen Absichten ihres Initiators einlassen würde. Verfahren und politische Ergebnisse sind zweierlei. Der »engeren Zusammenarbeit« auf wirtschaftspolitischem Gebiet würde dann eine in der Außenpolitik folgen müssen. Und beides könnte nicht länger über die Köpfe der Bevölkerungen hinweg ausgekungelt werden.

ZEIT: Das unterstützt ja nicht einmal die SPD.

Habermas: Die SPD-Führung überlässt es dem Christdemokraten Jürgen Rüttgers, dem »Arbeiterführer« an Rhein und Ruhr, in diese Richtung zu denken. In ganz Europa stehen die sozialdemokratischen Parteien mit dem Rücken zur Wand, weil sie bei schrumpfenden Einsätzen Nullsummenspiele betreiben müssen. Warum ergreifen sie nicht die Chance, aus ihren nationalstaatlichen Käfigen auszubrechen und sich auf europäischer Ebene neue Handlungsspielräume zu erschließen? Auch gegenüber einer regressiven Konkurrenz von links könnten sie sich so profilieren. Was immer heute »links« und »rechts« bedeuten mag, nur gemeinsam könnten die Euro-Länder ein weltpolitisches Gewicht erlangen, das ihnen eine vernünftige Einflussnahme auf die Agenda der Weltwirtschaft erlaubt. Sonst liefern sie sich als Onkel Sams Pudel an eine ebenso gefährliche wie chaotische Weltlage aus.

ZEIT: Stichwort Onkel Sam – Sie müssten doch von den USA tief enttäuscht sein. Für Sie waren die USA das Zugpferd der neuen Weltordnung.

Habermas: Was bleibt uns anderes übrig, als auf dieses Zugpferd zu setzen? Die USA werden aus der jetzigen Doppelkrise geschwächt hervorgehen. Aber sie bleiben einstweilen die liberale Supermacht und befinden sich in einer Lage, die es ihnen nahelegt, das neokonservative Selbstverständnis des paternalistischen Weltbeglückers gründlich zu revidieren. Der weltweite Export der eigenen Lebensform entsprang dem falschen, dem zentrierten Universalismus alter Reiche. Die Moderne zehrt demgegenüber von dem dezentrierten Universalismus der gleichen Achtung für jeden. Es liegt im eigenen Interesse der USA, nicht nur ihre kontraproduktive Einstellung gegenüber den Vereinten Nationen aufzugeben, sondern sich an die Spitze der Reformbewegung zu setzen. Historisch gesehen, bietet das Zusammentreffen von vier Faktoren – Supermacht, älteste Demokratie auf Erden, Amtsantritt eines, wie ich hoffe, liberalen und visionären Präsidenten sowie eine politische Kultur, in der normative Orientierungen einen bemerkenswerten Resonanzboden finden – eine unwahrscheinliche Konstellation. Amerika ist heute tief verunsichert durch das Scheitern des unilateralistischen Abenteuers, durch die Selbstzerstörung des Neoliberalismus und den Missbrauch seines exzeptionalistischen Bewusstseins. Warum sollte sich diese Nation nicht, wie so oft, wieder aufrappeln und versuchen, die konkurrierenden Großmächte von heute – die Weltmächte von morgen – rechtzeitig in eine internationale Ordnung einzubinden, die keine Supermacht mehr nötig hat? Warum sollte ein Präsident, der – aus einer Schicksalswahl hervorgegangen – im Inneren nur noch einen minimalen Handlungsspielraum vorfindet, nicht wenigstens außenpolitisch diese vernünftige Chance, diese Chance der Vernunft ergreifen wollen?

ZEIT: Sogenannten Realisten würden Sie damit nur ein müdes Lächeln entlocken.

Habermas: Ich weiß, dass vieles dagegen spricht. Der neue amerikanische Präsident müsste sich gegen die von der Wall Street abhängigen Eliten in der eigenen Partei durchsetzen; er müsste wohl auch von den naheliegenden Reflexen eines neuen Protektionismus abgehalten werden. Und die USA würden für eine derart radikale Kehrtwende den freundschaftlichen Antrieb eines loyalen, aber selbstbewussten Bündnispartners brauchen. Einen im kreativen Sinne »bipolaren« Westen kann es freilich nur geben, wenn die EU lernt, nach außen mit einer Stimme zu sprechen und, tja, das international angesparte Vertrauenskapital zu nutzen, um selber weitsichtig zu handeln. Das »Ja, aber…« liegt auf der Hand. In Krisenzeiten braucht man vielleicht eher eine etwas weiter ausgreifende Perspektive als den Rat des Mainstreams und das Klein-Klein des bloßen Durchwurschtelns.

Das Gespräch führte Thomas Assheuer

Portrait

Jürgen Habermas 

Er ist der wohl einflussreichste deutsche Philosoph und findet weltweit Gehör. Wie kein Zweiter prägt der 79-Jährige die Debatten der Gegenwart. Habermas studierte in Göttingen, Zürich und Bonn unter anderem Philosophie, Geschichte, Psychologie und Ökonomie. Nach seiner Promotion über Schellings »Weltalterphilosophie« kam er als Assistent von Theodor W. Adorno in Kontakt mit der Frankfurter Schule. Erstes Aufsehen erregte Habermas mit einem 1953 in der »FAZ« publizierten Angriff auf Martin Heidegger, dem er die Rehabilitierung des Nationalsozialismus vorwarf. Ein breites Echo löste auch seine Habilitationsschrift »Strukturwandel der Öffentlichkeit« aus. 1964 folgte Habermas dem Philosophen Max Horkheimer auf den Frankfurter Lehrstuhl und wurde zu einem intellektuellen Anreger der 68er-Bewegung, mit deren radikalen Vertretern er sich aber rasch überwarf. Sein Hauptwerk, die »Theorie des kommunikativen Handelns« (1981), beschreibt das Ideal einer Demokratie, deren kritischer Maßstab das verständigungsorientierte Gespräch aller Bürger ist. Die Öffentlichkeit, das diskursive Herz dieser Gesellschaft, dürfe von keinem Systemimperativ »kolonisiert« werden – auch nicht von der Wirtschaft.

Der Nachdruck des Interviews von Thomas Assheuer und Jürgen Habermas erfolgt durch freundliche Genehmigung von Professor Dr. Habermas und Thomas Brackvogel. (Quelle: DIE ZEIT, 06.11.2008 Nr. 46)

 

Bei Habermas hat die Bewußtwerdung über die unbegriffenen Mächte zwar auch noch nicht stattgefunden, aber eben dieses - sein Hauptwerk - kann und will ich auch nicht besser formulieren:

Die "Theorie des kommunikativen Handelns (1981)" beschreibt das Ideal einer Demokratie, deren kritischer Maßstab das verständigungsorientierte Gespräch aller Bürger ist. Die Öffentlichkeit, das diskursive Herz dieser Gesellschaft, dürfe von keinem Systemimperativ »kolonisiert« werden – auch nicht von der Wirtschaft.


Niemand der Akteure hat die Wahrheit für sich gepachtet
- wenn es denn eine Wahrheit geben soll -
und Bewußtwerdung hat noch bei keinem stattgefunden.


Der Ursprung allen Übels liegt in der Blockade der friedlichen Strömungen gewaltfreier Stämme vor ca. 6000 Jahren - in der Persönlichkeitsspaltung von Körper und Geist - in dem Leben und Erleben des Geistes in einer konstruierten und simulierten Realität. Die Lösung ist die Lösung der Blockade (Prof.Dr.Bernd Senf). Körper und Geist in Einklang bringen und den Geist aus seiner konstruierten Realität herausholen zu einer realistischen Wahrnehmung der Umwelt, das ist für mich der Ansatz zur Bewußtwerdung und da liegt für mich die Zukunft für ein friedliches Miteinander der Menschheit.


Was das Böse - das Übel - über die Jahrhunderte und Jahrtausende
angerichtet hat, ist zur Zeit wunderbar auf dem History Channel des ZDF
zu bewundern:
Ein andauerndes Morden und Schlachten des Geld- und Hochadels
um Macht, Herrschaft und Reichtum!


Meines Erachtens sind Geld- und Hochadel in ihrer Persönlichkeit genauso gestört wie diejenigen, die für diese kranken Persönlichkeiten in die Schlacht ziehen und deren Fahne hochhalten. Das hat mit Frieden, Freiheit und Demokratie absolut nichts zu tun!


Club 2 "Von der Finanzkrise zur Weltkrise?"







Die Bewußtwerdung muß! allen Handlungen voranstehen!
Das würde schon mal Links- und Rechtsextremismus und Rassendiskriminierung
 ad absurdum führen.

Dann sollten Kommunisten, Sozialisten, Sozialdemokraten, Liberale und Konservative
mal auf die Forschungsergebnisse vom Soziologen Dr. Paul Ray und der Psychologin Sherry Anderson eingehen, die nach 20 Jahren Forschung ihre Ergebnisse im
NEW POLITICAL COMPASS vorstellen.


Die zukünftigen Wählermehrheiten strömen aus allen Richtungen in eine
neue umweltgerechte und demokratische Richtung.
Die Links-Rechts-Debatte in Deutschland´s Parlamenten, in den Parteien,
Gewerkschaften und bei den Wählern ist eine höchst giftige und schädliche
Debatte für die Demokratie von bildungsfernen und -resistenten Akteuren,
wenn sie in Zukunft so weitergeführt wird!
Der Geld- und Hochadel braucht die Linken als Gegenpol,
sonst bricht das Feindbild zusammen und der Kampf gegen die
staatstragende Mittelschicht wird offensichtlich.
Die Sozialdemokraten, die Grünen und die Linken sind entweder zu dumm zum Scheißen, oder sie sind mit dem Geld- und Hochadel verfilzt.

Ferner habe ich auf Bill Moyers "Doing Democracy" und seinen
Master-Action-Plan (MAP) für Soziale Bewegungen hingewiesen.

Deutsche Städte, Kommunen und Gemeinden reformiert und entschuldet man nicht,
indem man auf der Straße einen Protest  gegen Monopolisten zum Ausdruck bringt
und dann beim Discounter einkaufen geht und den eigenen Schlachter füttert.

Lokalität und Regionalität
setzt auf gesunde Ernährung mit saisonalen Produkten von heimischen Bauern.
Das Gegenteil von Monokulturen, Massentierhaltung und Agrarindustrie.

Lebenswerte Städte, Kommunen und Gemeinden und blühende Landschaften
eines souveränen Volkes in einem autarken Nationalstaat sind das Tafelsilber
einer mündigen Gesellschaft, die sich ihre Regierung in freien, geheimen und demokratischen Wahlen selber aussucht.

Das schließt übrigens ein Weltparlament einer globalen Zivilgesellschaft
keineswegs aus. Aber auch ein Weltparlament einer friedlichen, demokratischen,
globalen Zivilbevölkerung, die fairen Handel miteinander treibt, braucht eine Organisation, eine Struktur und eine Kontrolle.

Es ist hinlänglich bekannt, daß die Vereinten Nationen, der Weltsicherheitsrat und sämtliche Unterorganisationen dringend reformbedürftig sind.

Aber niemandem ist bewußt, daß unserem Globus vom Geld- und Hochadel ein
autonomes, internationales, politisches System (Niklas Luhmann) implantiert ist,
dass wie ein Krebsgeschwür mit seinen tödlichen Metastasen die Vereinten Nationen, den Weltsicherheitsrat, sämtliche Unterorganisationen und sämtliche Nationalstaaten
durchwuchert und jede freiheitliche, demokratische Keimzelle zerstört.
 
Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der "demokratischen Gesellschaft".
Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist.
Wir werden regiert, unser Verstand geformt, unsere Geschmäcker gebildet, unsere Ideen größtenteils von Männern suggeriert, von denen wir nie gehört haben.
Dies ist ein logisches Ergebnis der Art wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist. Große Menschenzahlen müssen auf diese Weise kooperieren, wenn sie in einer ausgeglichen funktionierenden Gesellschaft zusammenleben sollen.
In beinahe jeder Handlung unseres Lebens, ob in der Sphäre der Politik oder bei Geschäften, in unserem sozialen Verhalten und unserem ethischen Denken werden wir durch eine relativ geringe Zahl an Personen dominiert, welche die mentalen Prozesse und Verhaltensmuster der Massen verstehen.
Sie sind es, die die Fäden ziehen, welche das öffentliche Denken kontrollieren.
Im Zuge der Transformation, der Umgestaltung der Welt, hat die Machtelite alle Hände voll zu tun, ihre eigene Integrität zu organisieren. Einerseits darf sie sich an den Orten der Wertschöpfung und  Wertverteilung nicht in die Karten sehen lassen und andererseits muss sie an den öffentlichen Orten der Herstellung und Sicherung eines gesellschaftlichen Gesamtkonsens mit Hilfe der Funktionseliten die Karten so mischen (lassen), dass die Abhängigkeit des Machtkerns vom gesellschaftlichen Gesamtarbeiter nicht zurückverfolgt werden kann und vielmehr im gesellschaftlichen Bewusstsein der umgekehrte Eindruck der Abhängigkeit des Gesamtarbeiters von denjenigen erzeugt wird, welche "die Arbeitsplätze schaffen" oder "gute Taten tun".
Die mächtigsten und reichsten Familien der Welt - der Geld- und Hochadel - haben unserem blauen Planeten ein autonomes, globales, internationales politisches System implantiert, das alle nationalen Grenzen, alle Erdteile, die Religionen, die Kulturen und Rassen überwindet. Sie beherrschen heute mit ihrem Geld, mit ihren Medien und Militärs die Vereinten Nationen und den Weltsicherheitsrat samt sämtlichen Unterorganisationen.
Die Letzten werden die Ersten sein:
Eine weitere Eskalation der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und der globalen Destabilisierungskriege der "Bündnispartner" wird dazu führen, dass die neuen Medien als Erste die großen Verlierer sein werden. Google muß nicht nur in China Zugeständnisse machen.
Wenn das Internet - das WorldWideWeb - die "Life Sciences", die "creative industries", die Kultur- und Kreativwirtschaft ihre Aufgaben erfüllt haben, werden sie "ausgeschaltet" nach dem Motto: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan - der Mohr kann gehen.
Google, Facebook, Twitter, MySpace, etc., die großen Provider und Internetbetreiber werden von dem "internationalen, autonomen, politischen System (AIPSOL)" genauso unterwandert und beherrscht wie die Vereinten Nationen, der Weltsicherheitsrat und die Nationalstaaten.
Die zunehmende Kontrolle des Internets, Internetsperren und Einschränkungen sprechen schon heute eine deutliche Sprache.

 

In der Weltgesellschaft entstehen Nischen der Rechtlosigkeit.
Dem Menschen bleibt dort nur das nackte Leben.
Überall, auch am Wohlstandsgürtel des weltweiten Westens, wuchern rechtliche Dunkelzonen, in denen der Übergang zwischen legal und illegal, Rechtlosigkeit und Unrecht gleitend ist. In einigen Niemandsländern haben Menschen nicht einmal das Recht, Rechte zu haben. Rechtsfreie Räume entstehen vor allem in Gebieten, wo der Terror des Krieges und der Horror des Friedens nicht mehr zu unterscheiden sind: in den no go areas Afrikas, in all den innerstaatlichen und zwischenstaatlichen Dauerkonflikten, an den Rändern zerfallender Nationen. Das liegt an der Destabilisierungspolitik des internationalen Geld- und Hochadels.
Ob in den unklaren Zwischenzonen jemand als Mensch oder als überflüssiger Körper behandelt wird, hängt oft nur am seidenen Faden des Rechts und seiner Durchsetzung. Die Frage aber, welches Recht zur Anwendung kommt, unterliegt der Willkür des lokalen Souveräns. Im Zweifelsfall ist eine Kiste mit chinesischen Bohnen durch die "Lex Mercatoria", das eng geknüpfte Netz internationaler Rechtsbeziehungen, besser geschützt als ein Schiff mit Flüchtlingen, das aus den schwarzen Löchern der Weltgesellschaft auftaucht und "nach Fremdeinwirkung" auf hoher See für immer verschwindet. Während Warenströme weltweit von einem faszinierenden Regelwerk kanalisiert sind, bleibt Menschen in den Indifferenzzonen des Rechts nur das "nackte Leben".
Warum die Rechtlosigkeit in die alten Räume des Rechts zurückkehrt, warum immer öfter das "bloße Leben" der "nackten Macht" gegenübersteht, dafür wird in diesen Tagen oft das Werk des italienischen Philosophen Giorgio Agamben bemüht. Sein 1995 veröffentlichtes Werk Homo Sacer, das Ende Februar 2002 endlich in deutscher Übersetzung im Suhrkamp Verlag erschien, ist in der Tat ein Schlüsselwerk für die Kritik an der Ambivalenz des Rechts. Agambens provozierende These lautet, dass die Rückkehr der Rechtlosen keine Erscheinung der Gegenwart ist.
Schon in der Geburtsstunde des Rechts, in der Antike, sei eine Unterscheidung eingeführt worden, die noch heute ihre verhängnisvolle Wirkung entfalte: die Unterscheidung zwischen dem bloßen Dasein und der politischen Existenz, die Unterscheidung zwischen dem rechtlosen Kreatürlichen (zoe) und dem guten Leben (bios). Schon die Antike hat die Person in die Gemeinschaft eingeschlossen, indem sie, wiederum in einem politischen Setzungsakt, ihren Körper als "bloßes Leben" exkommuniziert. Weil der politische Einschluss in die Gemeinschaft auf einem simultanen Ausschluss beruht, ist die Rechtlosigkeit in das Recht schon eingebaut.
Agambens Pointe liegt auf der Hand. In dem Augenblick, wo das Recht ausgesetzt und von der Person "abgezogen" wird, bleibt der bloße Körper zurück. Er ist ein Nichts, eine alphabetisierte Biomasse, die einen Menschen zu nennen die Mühe nicht lohnt.

Heute, in den rechtsfreien Zwischenräumen der globalisierten Moderne, kehrt die antike Figur zurück. Der Flüchtling, der von Schleppern an den Strand geworfen wird oder im Tiefkühlcontainer erstickt, ist der Wiedergänger des Homo sacer; jener infame und verworfene Mensch, der eine Gesetz- und Rechtlosigkeit verkörpert, die im Herzen des "abendländischen Rechts" immer schon angelegt war.

Folgt man Agambens suggestiven Beschreibungen, dann ist der Abgrund zwischen Recht und Gerechtigkeit nicht zu überbrücken. Alles Recht scheint unendlich weit von jeder Gerechtigkeit entfernt, wobei dann und wann aus dunklem Grund eine mysteriöse Gewalt aufsteigt, die sich über den Erdball wälzt und Ströme von Flüchtlingen hinterlässt, unlawful combatants, Gestrandete und Rechtlose - das Treibgut der globalisierten Moderne.

Und doch, es gibt nicht nur die Exklusion durch das Recht. So bestechend Agambens Analysen auch sind, so dürfen sie nicht den Blick auf die sozialen Verwerfungen der Weltgesellschaft trüben - auf eine Ungerechtigkeit, die selbst hartgesottene Systemtheoretiker aus der Fassung bringt.
Dieser Weltgesellschaft hat der Soziologe Niklas Luhmann schon vor Jahren eine unerbittliche Diagnose gestellt. Luhmann zeigte, dass unsere alten Unterscheidungen zwischen moderner und vormoderner Welt in die Irre führen. Denn auf der ganzen Welt, zwischen Kapstadt und Rio, Vancouver und Wladiwostok habe sich das eine Gesetz des Geld- und Hochadels, die eine funktionale Logik durchgesetzt und dabei die alten Hauswirtschaften aufgelöst. Überall sei ein dichtes Netz aus gegeneinander differenzierten "Funktionssystemen" ausgespannt - Arbeits- und Bildungs-, Wirtschafts- und Rechts-, Gesundheits- und Kultursystem.
(siehe Academy und Institut for International Cultural Diplomacy in Berlin - A World Without Walls - Interdependence Day, vom 10.-12.September 2010 in Berlin)

Luhmanns Schlussfolgerung ist dramatisch. Während fast die gesamte Weltbevölkerung auf Gedeih und Verderb von den Funktionssystemen abhängig ist, vor allem von den individuellen Chancen auf dem Markt, wird einem großen Teil der Zutritt zu einzelnen Systemen verweigert - zu den politischen, rechtlichen und ökonomischen Errungenschaften der Moderne. Wer nur aus einem System, etwa der Schulbildung, ausgegrenzt wird, dem bleiben auch alle anderen verschlossen. "Keine Arbeit, kein Geld, kein Ausweis, keine stabilen Intimbeziehungen, kein Zugang zu Verträgen und gerichtlichem Rechtsschutz, keine Möglichkeit, Wahlkampagnen von Karnevalsveranstaltungen zu unterscheiden, Analphabetentum und medizinische wie auch ernährungsmäßige Unterversorgung."

Wenn es so ist, wenn die ganze Welt dem einen Gesetz des Geld- und Hochadels unterliegt, dann sind die Dunkelzonen von Armut und Rechtlosigkeit nicht das Außen der Weltgesellschaft, sondern deren innere Peripherie. Dann kommen die Flüchtlinge nicht als Fremde aus einer anderen Welt, sondern aus den äußeren Innenräumen einer durchgesetzten Weltgesellschaft, die Menschen in ihr System einschließt - und zugleich einen großen Teil wieder ausgrenzt. Das ist derselbe Mechanismus, den Agamben für das Recht aufzeigt: Während im "Inklusionsbereich Menschen als Personen zählen, scheint es im Exklusionsbereich nur auf ihre Körper anzukommen." Aus der kalten Sicht der kapitalistischen Weltgesellschaft handelt es sich um reine "Surplus-Populationen" (Hauke Brunkhorst), um funktional überflüssige, entbehrliche Subjekte.

Dass diese Verwerfungen von neuen Deregulierungsoffensiven aus der Welt geschafft werden, dass mit der ökonomischen Integration auch die rechtliche zu bewerkstelligen ist - dies glauben ja nicht einmal die Spitzenfunktionäre des Weltwirtschaftsgipfels. Doch selbst wenn es gelänge, durch ein Weltbürgerrecht die rechtsfreien Räume zu "schließen", so bliebe immer noch das Problem dramatisch wachsender Ungleichheit und sozialer Auflösung.
Für beides sind die Akteure nicht in Sicht.

Fast scheint es, als sei mit den neuen Formen entstaatlichter Kriege ("Krieg gegen den internationalen Terrorismus")  gleich beides, sowohl ein kosmopolitischer Rechtszustand wie auch eine gerechtere Ökonomie, wieder in weite Ferne gerückt. Dabei hätte eine Weltgesellschaft, die ihren Namen verdient, das zu leisten, was dem Nationalstaat erst nach jahrhundertelangen blutigen Kämpfen gelungen ist. Sie müsste in ihren rechtsfreien Räumen den "Naturzustand" beenden und transnationale Institutionen schaffen, die nicht nur als Papiertiger ihr Dasein fristen und die einflussreich genug sind, um das unbeschreibliche Gerechtigkeitsgefälle der Weltwirtschaftsordnung zu mindern.

Dazu dürfen aber souveräne demokratische Nationalstaaten, deren Bürger sich ihre freiheitlichen, demokratischen Rechte in jahrhundertelangen , blutigen Kämpfen errungen haben, nicht abgeschafft werden sondern sie müssen gestärkt werden und sich gegenseitig befruchten.
 


Soviel zum Medienmord an Ex-Bundespräsident Horst Köhler.

Für mich hat er seinen Optimismus verloren
und er hatte keine Lust mehr, sich vom bildungsfernen Pöbel und von Lobbyisten, Demagogen und Intriganten anmachen zu lassen.

Alle Nationalstaaten der Welt haben dasselbe Problem:

Freiheitliche, friedliche Demokratie braucht Leadership!
Stell mal eine qualifizierte Demokratie-Elite für Deutschland auf,
bevor Du Dir in Deiner gespaltenen Persönlichkeit - in Deiner konstruierten Realität - Gedanken zu einem demokratischen Weltparlament der Zivilgesellschaft machst!

Beende erst einmal die desaströse Merkel-Westerwelle Regierung!

In den deutschen Parlamenten, in den Parteien, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen sitzen reihenweise bildungsferne Dilettanten,
die als vermeintliche Führungseliten lediglich nachplappern können,
was ihnen vorgegeben wird.

Aber dafür werden sie vom Geld- und Hochadel fürstlich belohnt
und die Parlamentarier dürfen ihre Gehälter selber festlegen.

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